„Für ein Zeugnisverweigerungsrecht in der sozialen Arbeit“ – Fanszenen aus ganz Deutschland solidarisieren sich abermals mit dem Fanprojekt Karlsruhe

06.10.2025

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Foto: Faszination Fankurve

Im Jahr 2022 feierte die Gruppe Rheinfire aus Karlsruhe ihr 20-jähriges Bestehen mit einer Choreo samt Pyroshow. Noch immer hat diese Aktion juristische Folgen: Die Polizei ermittelte gegen Fans und sogar drei Mitarbeitende des Fanprojekts Karlsruhe. Weil Letztere aufgrund ihres Berufsgeheimnisses keine Aussagen tätigten, drohten seitens des Staats drastische Strafen. Nun müssen die drei Sozialarbeiter erneut den Weg zum Gericht antreten. Unterstützt werden sie hierbei nicht nur von der Karlsruher Fanszene, sondern von unzähligen Szenen aus ganz Deutschland. (Faszination Fankurve, 06.10.2025)

Im November 2022 feierte Rheinfire Karlsruhe im Heimspiel gegen den FC St. Pauli das 20-jährige Bestehen mit einer Choreografie samt Pyroshow – Faszination Fankurve berichtete. Weil dabei andere Fans in Mitleidenschaft gezogen wurden, ermittelte die Karlsruher Staatsanwaltschaft rasch in diesem Fall. Hausdurchsuchungen, Gerichtsverhandlungen und weitere Schikanen folgten. Insgesamt wurde gegen 25 Fans sowie drei Mitarbeitende des Fanprojekts Karlsruhe ermittelt. Für zwei Fans gab es zwischenzeitlich sogar Haftstrafen ohne Bewährung – Faszination Fankurve berichtete. Eine der beiden Haftstrafen wurde mittlerweile zur Bewährung ausgesetzt. Beim anderen Fall fand die Berufungsverhandlung erst vor wenigen Tagen statt. Allgemein gingen alle Angeklagten in Berufung.

Zusätzliche Aufregung kam in diesen Fall, als auch die drei Sozialarbeiter des Fanprojekts Karlsruhe mit der Justiz aneinandergerieten. Weil sie das über viele Jahre aufgebaute Vertrauensverhältnis zwischen Fanprojekt und Fanszene nicht zerstören wollten, schwiegen alle drei. Dies hatte zur Folge, dass das Gericht zunächst ein Ordnungsgeld verhängte, später sogar Beugehaft androhte – Faszination Fankurve berichtete. Am Ende gab es Strafbefehle im höheren vierstelligen Bereich, gegen die Berufung eingelegt wurde.

Mitte Oktober stehen diese Berufungsverhandlungen an. Um den dreien weiterhin möglichst viel Rückhalt zu geben, gab es an den letzten beiden Wochenenden deutschlandweite Spruchbandaktionen. So sah man am letzten Septemberwochenende viele Spruchbänder mit der Botschaft: „Solidarität mit dem Fanprojekt Karlsruhe – Standhaft bleiben, Sophia, Volker und Stan!“

Vergangenes Wochenende folgte dann Teil 2 dieser Aktion mit der allgemeinen Forderung: „Für ein Zeugnisverweigerungsrecht in der sozialen Arbeit“. Nicht nur im Fußballkontext verfügt diese Forderung über einen enormen Stellenwert. Denn der Fall aus Karlsruhe glich einer Art Präzedenzfall; seitdem folgten ähnliche Strafbefehle gegen Sozialarbeitende.

Mitte nächster Woche stehen die Berufungsverhandlungen an. Vielerorts wird man genau auf das Urteil blicken. So oder so wird die aktuelle Forderung nach einem Zeugnisverweigerungsrecht für Sozialarbeitende weiter Thema bleiben – die Sache nahm in den letzten Tagen bereits weiter Fahrt auf.

(Faszination Fankurve, 06.10.2025)

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