Peter Helmcke (42) ist Anhänger von Altona 93. Im Interview gibt er einen Einblick in die Situation der AFC-Fanszene und äußert die Vermutung, dass eines der ältesten Stadien Hamburgs schon bald der Vergangenheit angehören könnte.
Stadionwelt: Der AFC stand während der Hinrunde lange Zeit an der Tabellenspitze, dann kam der Absturz in die Niederungen des Mittelfeldes. Hat das der Euphorie beim AFC Abbruch getan?
Helmcke: Natürlich hoffe ich, dass mein AFC den Anschluss wieder schafft. Allerdings sind die finanzstarken Vereine aus Niedersachsen die klaren Favoriten in unserer Liga. So kam die Tabellenführung schon überraschend und deshalb würde ich auch nicht von Mittelfeldtristesse sprechen.
Stadionwelt: Ihr habt neuerdings einen Fanblock auf der überdachten Sitztribüne bekommen. Wie hat sich das auf die Stimmung bei den Heimspielen des AFC ausgewirkt?
Helmcke: Die Idee eines gemeinsamen Fanblocks gab es schon seit längerem. Nur über den Standort konnten sich die Fans nie einigen. Als jemand den Vorschlag machte, sich unter die Tribüne zu stellen, bin ich zu Jörg Franke, dem Manager des AFC gegangen und habe einfach gefragt. Erstaunlicherweise bekam ich sofort die Zusage, dass wir uns dort für Stehplatzpreise hinstellen können. Nachdem über Jahre hinweg jeder Fan „seine Heimat“ in der Adolf-Jäger-Kampfbahn gefunden hatte, bedarf es natürlich einiger Überredungskünste um sich in den neuen Block zu stellen. Wenn die Stimmung stimmt, und das tut sie, bin ich mir aber sicher, dass weitere AFCer dieses Angebot nutzen werden.
Stadionwelt: Aber machte nicht die Aufteilung in die so genannte „Meckerecke“, den „Zeckenhügel“ und die Gegengerade mit den dadurch bedingten Wechselgesängen die Stimmung und das Flair bei Altona 93 aus? Welcher Oberligist hat das schließlich schon?
Helmcke: Natürlich geht ein gewisses Flair verloren. Der AFC besitzt aber nicht so viele Zuschauer um sich den Luxus leisten zu können, dass sich die Fans im eigenen Stadion aufteilen können. Bei den Auswärtsspielen waren wir häufig lauter, weil wir dort auch alle zusammen stehen. Bei Heimspielen wie gegen Oberneuland waren allerdings die Gästefans lauter. Deshalb halte ich diese Entscheidung für absolut richtig.
Stadionwelt: Das Thema Stadionbau geistert ja seit geraumer Zeit durch die Räumlichkeiten an der Griegstraße. Gibt es da schon Neuigkeiten zu vermelden?
Helmcke: Auf der Jahreshauptversammlung wurde dieses Thema angesprochen und der Vorstand wollte nicht so richtig mit der Sprache rausrücken. Ich bin mir sicher, dass es inzwischen Pläne gibt. Die jetzige Adolf-Jäger-Kampfbahn wird es wohl bald nicht mehr geben. Wo das neue Stadion sein wird, ist wohl die interessanteste Frage. Ich tippe derzeit auf die Anlage von Union 03 Altona, die Vereine wollten ja sowieso fusionieren.
Stadionwelt: Altona 93 machte vor kurzem auch abseits des grünen Rasen Schlagzeilen. Ein eigenes Museum wurde eingerichtet. Wo befindet sich das eigentlich und lohnt ein Besuch?
Helmcke: Das Museum befindet sich in der Elbchaussee 12 und liegt gegenüber der Dänischen Botschaft. Vom Bahnhof Altona sind es nur knappe zehn Minuten Fußweg. Ich kann nur jedem Fußballfan einen Besuch empfehlen. Der AFC ist ein Traditionsverein und diese Tradition kann man dort erleben. Außerdem ist ein Fanshop in den Räumlichkeiten. Ich persönlich freue mich, dass der AFC dies ermöglicht hat und sich so einer breiten Öffentlichkeit präsentieren kann.
Stadionwelt: In der Winterpause gab es ja auch Unerfreuliches. Publikumsliebling Berkan Algan wechselte zum FC St. Pauli. Wie reagieren die Fans?
Helmcke: Zuerst waren wir Fans geschockt und richtig sauer. Nachdem Berkan mit dem Interview auf www.spordnord.de aber weit über das Ziel hinausgeschossen war, ist das Kapitel Berkan Algan für viele erledigt. Er ist und bleibt ein geiler Fußballer und er ist ein netter Kerl. Aber manchmal brennt bei ihm wohl eine Sicherung durch. (Stadionwelt, 09.02.2007)




0 Kommentare