Günter Kratz ist beinahe 29 Jahre Fan des KSV Hessen Kassel. Mit dem nordhessischen Traditionsclub hat er alle Höhen und Tiefen durchlebt. Der 47-Jährige berichtet im Gespräch mit Stadionwelt, wie die Fans die Rückkehr in die Regionalliga erlebt haben.
Stadionwelt: Seit dem Sommer 2006 ist Dein Verein zurück in Liga 3. Was ist seit dem Aufstieg passiert?
Kratz: Nach dem Sieg am letzten Spieltag in Frankfurt gegen den FSV war die Euphorie natürlich riesig. Das war Wahnsinn. Am Anfang der Saison war die immer noch da, zumal wir ja gut gestartet sind und sechs Spiele nicht verloren haben. Wir haben den höchsten Zuschauerschnitt in der gesamten Regionalliga Süd. Als es sportlich nicht mehr ganz so rund lief, war die „Träumerei“ vom Durchmarsch in die zweite Liga schnell beendet. Aber jetzt sind alle auf den Rückrundenstart in Aalen heiß.
Stadionwelt: Zeitweilig stand eine Einordnung in die Nordstaffel zur Debatte. Wäre das für Euch interessanter gewesen?
Kratz: Sicherlich hätte man im Norden noch mehr Zuschauer und interessantere Gegner gehabt, weil einige Teams mehr mitbringen. Dafür ist die Südstaffel sportlich etwas einfacher. Letztendlich gab es verschiedene Meinungen. Ich persönlich war mit der Einordnung ganz zufrieden.
Stadionwelt: Wie sieht es mit dem Ausbau des Auestadions aus?
Kratz: Die neue Gegentribüne ist fertig. Sie besteht fast komplett aus Sitzplätzen und ist überdacht. Die Kurven sollen genauso wie die Laufbahn noch ausgebaut werden. Das Stadion wird nach Fertigstellung etwa 19.000 Zuschauer fassen.
Stadionwelt: In anderen Stadien protestieren die Fans, wenn zwischen ihnen und der Mannschaft Laufbahnen entstehen…
Kratz: In Kassel gibt es keine Proteste. Die meisten Leute sind froh, dass überhaupt gebaut wird. Seitdem ich Fan bin, ist an dem Stadion nichts passiert. Jetzt sollen sogar noch Flutlicht und eine Anzeigentafel kommen.
Stadionwelt: Wo steht die Fanszene mittlerweile? Zeitweilig hattet Ihr die Gegengerade verlassen, oder?
Kratz: Als der KSV vor fünf Jahren ins Auestadion zurückgekehrt ist, stand die Fanszene links von der Haupttribüne auf der sogenannten Nordtribüne. Das waren alles Sitzplätze. Aufgrund des nach wie vor guten Verhältnisses zum Verein haben wir dort zu Stehplatzpreisen Karten bekommen. Mit Beginn der Regionalliga sind wir auf die Gegengerade umgezogen. Die Meisten waren mit dem Umzug einverstanden, nur wenige sind auf der Nordtribüne geblieben. Der Stimmung hat das aus meiner Sicht ein bisschen geschadet, früher auf der Nordtribüne war sie besser. Der neue Block ist noch gewöhnungsbedürftig.
Stadionwelt: Hat die Szene in der Regionalliga einen spürbaren Zuwachs erfahren?
Kratz: Auf alle Fälle. Kurzzeitig gab es sogar eine Ultragruppe, was wir in Kassel bisher nie hatten. Die sind aber wieder verschwunden.
Stadionwelt: Wie steht man von Fanseite dazu, dass ein Sponsor für Fans einen Bus samt Übernachtung und Abendessen zum Spiel nach Pfullendorf spendiert?
Kratz: Bisher gab es zu fast jedem Auswärtsspiel einen kostenlosen Bus vom Trikotsponsor. Plötzlich fahren alle mit und sind die größten KSV-Fans. Grundsätzlich ist die Idee aber nicht schlecht. Gegen Pfullendorf ist bloß neu, dass es auch Übernachtung und Abendessen geben wird. Das Spiel wird sehr wichtig für den KSV, weil es einer der Konkurrenten im Abstiegskampf ist und der Verein die Unterstützung benötigt. Natürlich hoffen alle, dass wir die Klasse halten. Aber nicht um jeden Preis: Lieber absteigen als noch einmal bankrott gehen.
Stadionwelt: Wie sieht es denn finanziell aus?
Kratz: Ich habe keinerlei Bedenken, dass unser Präsidium solide arbeitet.
Stadionwelt: Du selbst bist in der Fanszene und dem Verein sehr aktiv.
Kratz: Das stimmt. Seit einigen Jahren habe ich eine eigene Kolumne in der Stadionzeitung dem „Hessenlöwen“. Momentan bin ich allerdings vom KSV so enttäuscht wie noch nie zuvor. Seit Anfang der Saison warte ich auf meinen Fahnenpass, anderen haben ihren schon lange. So etwas verleidet einem den Gang zum KSV doch etwas. Sobald Probleme auftauchen soll ich vermitteln, aber das ist schnell vergessen.
Stadionwelt: Ist eine Fahrradtour zum Auswärtsspiel in Siegen wirklich geplant?
Kratz: Die Idee wurde auf einer Fanclubfete des KSV-Freunde Witzenhausen geboren. Siegen ist von der Entfernung das nächste Auswärtsspiel. In Planung ist eine Abfahrt am Freitagabend. 20 bis 30 hatten sofort eine große Klappe. Mal sehen, wie viele es letztendlich werden. Aber gefahren wird sicher. (Stadionwelt, 12.2.2007)




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