Das Winterpausen-Interview – Teil 51 „Wir stärken die Region“

Faszination Fankurve 14.02.2007 0 Kommentare

Kai Schoolmann (35) ist Geschäftsführer beim Fanclub-Dachverein e.V. Auch im äußersten Nordwesten der Republik, fern der großen Fußballzentren, träumt man vom Profifußball und einem Stadionneubau. Kai Schoolmann im Interview mit Stadionwelt.

Stadionwelt: Was wäre in Emden denn eigentlich los, wenn es mit dem Aufstieg in die zweite Liga klappen sollte?
Schoolmann: Der Abstand zu den Aufstiegsplätzen ist nicht groß. Ich erinnere mich an 1994, als wir Meister der Dritten Liga wurden. Im entscheidenden Spiel waren 12.000 Zuschauer im Stadion. In der Aufstiegsrunde haben wir es dann leider nicht geschafft. So viele Leute wären es heute vielleicht nicht, aber wenn es um etwas geht, dann ist das ostfriesische Publikum da. Ein Aufstieg würde allerdings auch viele Probleme mit sich bringen. Das Stadion ist absolut nicht bundesligatauglich. Selbst in der Regionalliga bestehen mit dem Stadion kaum Chancen, dauerhaft die Lizenz zu bekommen.

Stadionwelt: Kommt denn ein Stadionneu- bzw. Stadionumbau voran? Das ist seit langem ein Thema am Dollart.
Schoolmann: Es gibt derzeit Verhandlungen über einen Stadionneubau. Der könnte auf einem ehemaligen Bundeswehrgelände etwa 500 Meter Luftlinie vom jetzigen Spielort entfernt entstehen. Dort ist genügend Platz. Nun fehlt noch ein Investor: Die Stadt sträubt sich ein wenig, Volkswagen hätte die Mittel. Aber auch ein Umbau des bestehenden Stadions wird gelegentlich erwogen. Im Augenblick haben wir eine Spielstätte mit einer sehr dichten Atmosphäre, die Zuschauer stehen teilweise keine drei Meter von der Seitenlinie entfernt.

Stadionwelt: Wie kann sich die Stadt denn sträuben? Immerhin machen Verein und Fans permanent Werbung für Emden und Ostfriesland?
Schoolmann: Das mit der Werbung stimmt. Auf vielen Plakaten ist mittlerweile Ostfriesland zu lesen. Ich denke, dass wir damit die Region stärken. Es wird auch im Block das Lied „Wir sind Ostfriesenkinder“ gesungen. Beim Auswärtsspiel in Essen in der vergangenen Saison wurden 300 schwarz-rot-blaue Flaggen mit dem Wappen Ostfrieslands geschwungen. Wenn wir noch mehr Fans aus Emdens Umland für Kickers begeistern, dann können wir für Ostfriesland das werden, was der SV Meppen für das Emsland war und ist: Das Aushängeschild.

Stadionwelt: Habt ihr denn keine Angst vor abgedroschenen Ostfriesenwitzen?
Schoolmann: Wieso? Wir selbst kennen die besten Ostfriesenwitze. Eine Region, die Otto und Karl Dall hervorgebracht hat, muss über sich selbst auch mal lachen können…

Stadionwelt: Alles in allem hört und liest man in Bezug auf Emdens Fans relativ wenig über Probleme, die andere Szenen permanent beschäftigen.
Schoolmann: An sich ist die ganz große Mehrzahl der Kickers-Anhänger friedlich. Hin und wieder müssen sich aber auch Kickers-Fans mit den „üblichen“ Problemen auseinandersetzen. Beim Heimspiel gegen St. Pauli wurden 45 Leute festgenommen. Aber das war die Ausnahme. Wir haben bei Heimspielen fast immer eine entspannte Atmosphäre. Ich denke, dass auch viele Gästefans gerne nach Ostfriesland kommen. Und über unser Catering mit Bier und Fischbrötchen hat sich auch noch keiner beschwert.

Stadionwelt: Was läst sich denn zur aktiven Fanszene sagen? Wie viele Leute umfasst die in etwa? Sind es seit dem Aufstieg in die Regionalliga mehr geworden?
Schoolmann: Der Fanclub-Dachverein hat im Augenblick rund 550 Mitglieder. Der Zuschauerschnitt ist von 1.800 in der Oberliga auf jetzt 3.200 angestiegen. Wir hoffen darauf, dass es noch mehr werden und wollen insbesondere noch mehr Fans aus dem Umland hinzugewinnen.

Stadionwelt: Wie viele Fans begleiten den Verein zu Auswärtsspielen?
Schoolmann: Bis zu 100 sind es eigentlich regelmäßig. Bei den Highlights natürlich noch mehr: Am Millerntor waren wir in der vergangenen Saison mit mehr als 1.000 Leuten, in Essen etwa 500, in Osnabrück ähnlich viele. In den weiter entfernten Spielorten und bei den Zweitvertretungen sind es natürlich weniger.

Stadionwelt: Besteht die Fanfreundschaft mit Meppen noch?
Schoolmann: Die wird von vielen Leuten auf der Ultra-Ebene gut gelebt. Selbst bei manchen Auswärtsspielen begleiten uns Meppener – gelegentlich sogar 30 bis 50. Zum Beispiel beim vorletzten Auswärtsspiel in Osnabrück. (Stadionwelt, 14.2.2007)

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Bild: Jens Doden
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