Der KFC Uerdingen steht vor seiner dritten Saison in der Oberliga. Fans hat der Traditionsverein nach wie vor. Im Sommerpausen-Interview stellt Michael von der Blue Red Army die Szene vor und redet über das fünfjährige Bestehen der Gruppe.
Stadionwelt: Erzähl mal kurz etwas zu der Saison aus Sicht eines KFC-Fans.
Michael: Die zweite Saison für den KFC in der Oberliga ist gerade vorbei, nun steht der Club vor einer der wichtigsten Spielzeiten in der Vereinsgeschichte. Man muss unter die ersten Vier gelangen, um in die neuformierte Regionalliga aufzusteigen, andernfalls würde der Club in die NRW- oder Verbandsliga absteigen. So komisch diese Reformerei auch ist, ändern können wir daran nichts und blicken daher nach vorne, um alles für unseren Club zu geben. Es ist natürlich bitter, wie weit es um unseren KFC gekommen ist. Den Glauben an bessere Zeiten haben wir aber noch längst nicht aufgegeben. Als Fan spürt man irgendwie, was an den Spieltagen passiert und bereits vorher, ob 1.000 Leute mit nach Wegberg-Beeck fahren oder bloß 100 nach Wuppertal. In Uerdingen gibt es zu Beginn jeder Saison eine Aufbruchsstimmung – der Kader mag noch so dünn besetzt sein. Allerdings hängt es spätestens nach der Winterpause wieder vom Erfolg ab, wie voll das Stadion ist.
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Bild: RWO-Fanblock
Stadionwelt: Gab es in der doch eher unattraktiven Oberliga wirkliche Highlights?
Michael: Nun ja, an die Zweitvertretungen der Profiteams sind wir ja schon aus der Regionalliga gewöhnt, allerdings durften wir dank ihnen erstmals erfahren, wie es in den Arenen aussieht. Nach Mönchengladbach und Duisburg sind jeweils 1.000 Uerdinger mitgereist. Es sind neue Erfahrungen, die man in der Oberliga mitnimmt: Wie es zum Beispiel ist, irgendwo auf einem Dorfplatz zu spielen oder bei den Heimspielen keine oder sehr wenige Auswärtsfans anzutreffen. Das drückt die Stimmung. Dennoch gibt es Vereine wie Solingen, die eine lange Tradition haben und bei denen man weiß, dass in ihrer Kurve Potential steckt. Dem gegenüber stehen Vereine wie Kleve oder Bonn, die auf Teufel komm raus versuchen etwas zu reißen, aber denen man ansieht, dass sie wenig Ahnung haben. Mit Oberhausen stieg vergangene Saison ein Verein ab, dessen Anspruch und Umfeld mit unserem vergleichbar ist. In der Oberliga ist das ein Highlight, in der Regionalliga nichts Besonderes…
Stadionwelt: Kann sich eine Fanszene in der Viertklassigkeit überhaupt weiterentwickeln?
Michael: Wir finden, dass die Oberliga für uns ein Neuanfang war. Der Kreis der Aktiven hat sich wirklich nur noch auf die Leute beschränkt, die mit dem Herzen dabei sind. Man hat sich keineswegs zurückentwickelt. Im Gegenteil: Wir sind ein weites Stück vorangekommen. In der Regionalliga ist man als Fan an einer bestimmten Stelle stehen geblieben. Irgendwie schauen jetzt viel mehr Leute über den Tellerrand und können auch weitere zu Taten in der Fanszene animieren. Allerdings darf dies kein Dauerzustand sein. Viele sind hungrig auf die Spiele gegen Vereine mit weit mehr Fanpotenzial als dem, das wir in der Oberliga zu sehen bekommen. Man kann sagen, dass man die Oberliga nutzt, um sich richtig für die Regionalliga zu rüsten beziehungsweise heiß zu machen.
Stadionwelt: Die Blue Red Army hat kürzlich ihren fünften Geburtstag gefeiert. Wie genau?
Michael: Zunächst haben wir mit den Vorbereitungen im November begonnen, indem wir uns Gedanken um Aktionen machten, die sich mit neun Mann verwirklichen lassen. Natürlich hätten wir eine Choreo oder sonst etwas aufziehen können, auch wenn es mit neun Leuten schwerer zu realisieren ist und die Kosten da auch noch eine große Rolle spielen. Aber das ist irgendwie nicht das Ding des Kollektivs Blue Red Army. Zum Auswärtsspiel im März in Bergisch Gladbach setzten die Ultras Krefeld drei Busse ein, die größtenteils vom Erlös des Fußballturniers im Januar gedeckt wurden. Da dieses Spiel das nächste nach dem Geburtsdatum der BRA war, einigten wir uns dorthin eine Mottofahrt zu machen. Sie stand unter dem Motto “Old School Uerdingen” und wir neun zogen mit Trikots, Jogginghosen und Pornobrillen los. Innerhalb von zwei Wochen haben wir anlässlich unseres Geburtstags ein Magazin auf die Beine gestellt, das in den Bussen kostenlos verteilt wurde. Das größte Ereignis hatten wir da aber noch vor uns: Die Party. Nach langem Hin und Her erhielten wir die Zusage für den 6. Juni in einem alternativen Club in Krefeld. Als der Termin feststand, konnten wir mit den Bands planen und die Werbung starten. Es spielten The Slashing Fabs aus Krefeld, sowie die Lumpen aus Cosenza (Italien) und die Polnischen Jungs, die den Anlass nutzten einen KFC-Rap auf die Beine zu stellen. Es waren rund 200 Gäste anwesend. Unter ihnen Uerdinger, aber auch Leute aus Düsseldorf sowie viele private Freunde und Bekannte.
Stadionwelt: Erzähl bitte etwas zur Blue Red Army.
Michael: Die Blue Red Army gründete sich im Jahr 2002 als Abkopplung der damaligen Uerdinger Jungz, deren restliche Mitglieder leider nicht mehr aktiv im Stadion sind. Einer der Gründe der Trennung war demnach die Passivität der einen und bei den anderen, der Reiz etwas aufziehen zu wollen. Aktiv zu sein bedeutet für uns allerdings nicht jedes Spiel eine Choreo zu machen oder so. Wir sehen da auch ganz andere Aktionen, die uns als Teil der aktiven Fanszene ausmachen: Wir reisen zu jedem Spiel, supporten aktiv mit und sind immer anzusprechen. Zwischen den Spieltagen tut sich bei uns auch stets was. Da ein Teil von uns zugleich Mitglied bei den Ultras Krefeld ist, versteht sich das von selbst.
Stadionwelt: Der KFC gilt als Verein, der nicht die meisten Zuschauer hat, sich dafür aber viele Leute – verhältnismäßig mehr als anderswo – am Support beteiligen. Stimmt das?
Michael: Wow, das ehrt uns. Aber ohne Grund scheint das ja nicht bis zu Euch durchgedrungen zu sein. Die Mischung macht´s, würde ich mal sagen. Egal ob Hool, Ultra, Kutte – in Uerdingen sieht man seit Jahren stets dieselben Gesichter. Man kennt sich, man trinkt ein Bier zusammen. Über das Internet findet auch sehr viel Kommunikation zwischen den Fans statt, gerade die Internetforen dienen da schon seit Jahren als Basis. Viele Ideen für Aktionen oder sonst was werden dort diskutiert. Das Wir-Gefühl in Uerdingen ist ganz groß. Klar, es gibt auch öfters Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten, aber diese geraten komischerweise sehr schnell in Vergessenheit und lassen uns auf das eine besinnen: Gemeinsam für Uerdingen 05.
Stadionwelt: Welche anderen Gruppen sind derzeit in Uerdingen aktiv?
Michael: Es gibt in Uerdingen die Ultras Krefeld, die als Dachverband aller aktiven Fans dienen. Einige unserer Mitglieder sind bei den Ultras, daher können wir einen kleinen Einblick in diese Gruppe liefern. Der Abstieg in die Oberliga wirkte sich leider auf die Zuschauerzahlen aus und auch die Ultras Krefeld standen vor einer ihrer schwersten Spielzeiten. Ein Generationswechsel hatte stattgefunden und es wurde total umstrukturiert: Während in der Regionalliga beispielsweise noch passive Mitglieder zugelassen wurden, gibt es derzeit nur aktive. Aber auch die Arbeit um den Fannachwuchs wurde intensiviert und schlägt langsam Wurzeln. Neben uns und den Ultras Krefeld gibt es noch einige aktive Fangruppen in Uerdingen, die sich allerdings mehr in ihrem Kreis bewegen. Wir versuchen immer die ganze Fanszene anzusprechen, was immer besser gelingt. Man muss aber betonen, dass diese Szene recht überschaubar ist und man sich untereinander kennt, was die Kommunikation ziemlich vereinfacht. Es gibt sehr viele Leute, die keiner Gruppe angehören, sich aber häufig an Aktionen beteiligen.
Bild: Ultras Krefeld
Stadionwelt: Eine Zeitlang sorgte der Grotifant für KFC-Schlagzeilen. Mittlerweile ist es um das Maskottchen des KFC eher ruhig geworden…
Michael: Nachdem der Grotifant einige Zeit von der Bildfläche verschwand und die Sache einzuschlafen drohte, fand sich jemand, der sich an den Spieltagen zur Verfügung stellte, in das Kostüm unser Maskottchens zu schlüpfen. Wir alle waren froh, dass der Grotifant wieder auflebte, denn auch er gehört zur Tradition unseres Clubs. Irgendwann kam dann das Spiel gegen Fortuna Düsseldorf im Arag-Pokal, bei dem Düsseldorfer den Platz stürmten und auch Jagd auf unseren Grotifanten machten. Dieser geriet dadurch etwas unfreiwillig in die Schlagzeilen. Primär geht der Grotifant natürlich seinem eigentlichen Zweck, also dem eines Maskottchens nach. Die kleinen Fans freuen sich, wenn sie ihm die Hand geben dürfen und wir haben stets was zu lachen. (Stadionwelt, 17.7.2007)





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