Pure Gewalt als Motivation

Faszination Fankurve 14.12.2007 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Vergangenes Wochenende wurde die Weihnachtsfeier der Diablos Leutzsch von etwa 30 bis 40 vermummten Personen überfallen. Unter anderem wurden Waffen eingesetzt. Stadionwelt sprach mit Matthias Gärtner (Bunte Kurve), der ebenfalls vor Ort war.

Stadionwelt: Kannst Du etwas zu dem Abend an sich erzählen?
Gärtner: Bei der Weihnachtsfeier der Diablos in der Sachsenstube direkt am Stadion in Leutzsch waren zum Zeitpunkt des Überfalls etwa 50 Personen. Das beinhaltete auch befreundete Personen, Gruppen und Faninitiativen. Unter anderem war auch eine Jugendmannschaft von Sachsen Leipzig da. Etwa gegen 22.30 Uhr flogen draußen die ersten Leuchtraketen und Scheiben sind zerbrochen. Ein Mob von etwa 30 bis 40 vermummten Leuten ist die Treppe hinaufgestürmt und hat wahllos Anwesende angegriffen.

Stadionwelt: Die Angreifer waren bewaffnet, oder?
Gärtner: Ja. Sie hatten Baseballschläger und Pistolen, vermutlich Gas- oder Schreckschusspistolen dabei. Außerdem müssen totschlägerähnliche Gegenstände eingesetzt worden sein. Mit dem Arm kann eine Tischplatte nicht durchschlagen werden. Zudem wurde eine Rauchbombe gezündet. Kurzzeitig hat es im Tresenbereich gebrannt. Zum Glück konnte der Brand recht schnell gelöscht werden. Die Angreifer haben in Kauf genommen, dass es zu schwersten Verletzungen und mehr kommen konnte. Das ganze Ausmaß der Zerstörung wurde uns aber erst am Tag danach bewusst. An der Außenfassade waren die Einschläge von Leuchtraketen sichtbar. Wenn diese bis ins Innere der Sachsenstube vorgedrungen wären, wäre die Panik sicherlich noch größer gewesen.

Stadionwelt: Wie lange dauerte der Angriff?
Gärtner: Maximal fünf bis sieben Minuten. Alles lief in zwei Wellen ab.

Werbung
” loading=”lazy”>

Bild: HFC-FANATICS

Stadionwelt: Würdest Du sagen, dass es sich um Personen aus dem Umfeld des Lokalrivalen Lok Leipzig gehandelt hat.
Gärtner: Alle Indizien weisen darauf hin. Bis 22.20 Uhr waren ja auch einige Einsatzwagen der Polizei bei der Sachsenstube, weil es Hinweise gegeben hatte, dass sich Lok-Anhänger an einer S-Bahn-Station Richtung Leutzsch sammeln würden. Das Präsidium von Lok hatte Infos an die Polizei weitergegeben.

Werbung

Stadionwelt: Also war es keine spontane Attacke…
Gärtner: So wie es aussieht, haben die Leute konkret gewartet bis die Polizei abgezogen war.

Stadionwelt: Spielen verschiedene politische Positionen auch eine Rolle?
Gärtner: Ob das tatsächlich eine Rolle spielt, mag ich nicht beurteilen. Die Motivation in diesem speziellen Fall war sicherlich die Ausübung der puren Gewalt.

Werbung
Bild: HFC-FANATICS<br />
<p><strong>Stadionwelt:</strong> Die Rivalität zwischen den beiden Leipziger Clubs ist ja hinlänglich bekannt. Regelmäßige Auseinandersetzungen und „Hausbesuche“ werden häufiger thematisiert. Stellt die Weihnachtsfeier einen neuen Tiefpunkt dar?<br />
<strong>Gärtner:</strong> Natürlich war das eine neue Qualität. Vor allem wurde ein Tabu gebrochen, weil es nicht nur untereinander ablief, sondern sich auf dem Vereinsgelände von Sachsen abgespielt hat. Letztendlich sind die Vorfälle vom Wochenende aber nur die konsequente und logische Weiterführung dessen, was sich hier in der Stadt ausgebreitet hat. Das ist auch der Grund dafür, weswegen einige ihren Namen bei der Polizei nicht angeben wollten. Die Leute haben Angst.</p>
<p><strong>Stadionwelt:</strong> Apropos Polizei: Wie beurteilst Du ihr Vorgehen bisher?<br />
<strong>Gärtner:</strong> Ich verfolge das mit einer gewissen Skepsis. Zum einen sind die Beamten am Abend um 22.20 Uhr abgerückt, obwohl sich Auseinandersetzungen ja häufig bei Nacht abspielen. Dann gab es die Aussagen gegenüber Medien, dass sich Leute weigern würden, Aussagen zu machen. Ich selbst habe mich schon am Samstag dazu bereit erklärt, wurde aber erst am Mittwoch gehört. Vieles läuft mir zu zäh: In Leipzig existiert eine Sondereinsatzgruppe Gewalt beim Fußball, die kennen ihre Pappenheimer in beiden Clubs. Wer an einer solchen Aktion beteiligt sein könnte, ist überschaubar. Zudem haben sich die Beamten zuerst geweigert, den Tatort anzuschauen. Ich persönlich kam mir anfangs mehr als Täter denn als Opfer vor.</p>
<p><strong>Stadionwelt:</strong> Seit kurzem besteht auch die Forderung, dass der Sportbürgermeister der Stadt Leipzig zurücktritt. Was hat es damit auf sich?<br />
<strong>Gärtner:</strong> Gegenüber einer Zeitung hat er einige sehr unglückliche Aussagen gewählt. Unter anderem sagte er wohl, dass so etwas auch in anderen deutschen Städten passiere. Und ich hätte mir auch andere Worte bezüglich der Opfer erwartet. Die Darstellung einer Auseinandersetzung unter Fußballfans war sehr unglücklich und nicht mehr als Unfug. Ob er zurücktritt oder nicht, ist mir aber egal. (Stadionwelt, 14.12.2007)</p>
<figure><img decoding=

0 Kommentare

weitere Beiträge