Im Rahmen der Sommerpauseninterviews sprach Stadionwelt mit Jens Buschbacher. Der scheidende Präsident des Fandachverbands Pro Waldhof e.V. und baldige Angestellte des Clubs äußerte sich über die Fanszene des SV Waldhof Mannheim.
Stadionwelt: Waldhof Mannheim hat sich für die neue Regionalliga qualifizieren können. Wie waren die Feierlichkeiten?
Buschbacher: Richtig gut. Zum Heimspiel gegen den SV Linx sind 10.000 Zuschauer ins Carl-Benz-Stadion gekommen. Selbst heute sind viele noch begeistert. Um die Partie herum gab es ein großes Fest mit Konzert und Tombola. Die ganze Veranstaltung war vom Verein und Pro Waldhof sehr gut organisiert.
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Beim Spiel gegen Ulm am 1. Spieltag der laufenden Saison.
Bild: Bastian Prischl
Stadionwelt: Was gab es von Fanseite zu sehen?
Buschbacher: Eine Kurvenshow im argentinischen Stil, mit Folienstäben und Banderolen. Direkt nach der Partie, wurden 30 blaue Rauchtöpfe gezündet. Natürlich wurde der Platz auch gestürmt. Die Mannschaft feierte mit Sekt und Bengalos auf dem Dach des Spielertunnels. Die Feierlichkeiten haben sich später bis zum Alsenweg in die Vereinskneipe und in die Stadt verlagert. Der Mannschaftsbus gab die Richtung vor und so feierte man quer durch die Stadt bis in die frühen Morgenstunden.
Stadionwelt: Die neue Regionalliga ist zwar nominell weiterhin „nur“ vierte Liga, sportlich und fantechnisch aber viel interessanter, oder?
Buschbacher: Das kommt ein bisschen darauf an, wohin es uns verschlägt. Die klassische Regionalliga Süd mit Baden Württemberg, Hessen und Bayern ist aus beiderlei Sicht eher schlecht. Wie Worms und Darmstadt hat Waldhof den Antrag gestellt, dass die jeweiligen Teams im Südwesten eingeordnet werden
Stadionwelt: Wieso?
Buschbacher: Derbies sind das Salz in der Suppe und daher ist es für Mannheim, Darmstadt und Worms wichtig in einer Liga zu spielen. In einer Liga mit Saarbrücken oder Lautern II, mit Ludwigshafen und Trier ist es natürlich sehr leicht die Euphorie weiter hoch zu halten.
Zum Derby gegen den VfR Mannheim wird es in der kommenden Saison nicht kommen.Bild: www.groundchecker.de.vu
Stadionwelt: Ebenfalls neu ist das Fanprojekt…
Buschbacher: Stimmt. Es handelt sich um ein sozial-pädogisches Fanprojekt. Die beiden Mitarbeiter stammen aus der Szene und werden ihr Büro in einem 60 Quadratmeter großen Container mit dem Namen „Fancafe“ am Stadion haben. Mit dem starken Dachverband „Pro Waldhof“ der genau neben dem Fancafe sein Domizil bezogen hat, ist die Grundlage für eine professionelle Fanarbeit gelegt worden. Die Kosten in Höhe von 35.000 Euro sind von Pro Waldhof aufgebracht worden. Beide wurden in Eigenleistung saniert.
Stadionwelt: Zu guter letzt darf natürlich das Thema TSG Hoffenheim nicht fehlen. Der Bundesligaaufsteiger wird ein halbes Jahr in Eurem Stadion spielen, bevor der eigene Neubau fertig ist. Wie steht Ihr dazu?
Buschbacher: Vor unserem Abstieg aus der 2. Liga kannte fast niemand die TSG Hoffenheim. Mit dem Abstieg im Jahre 2002 waren wir auf einmal eine Liga unter der TSG Hoffenheim angesiedelt. Sponsoren fanden ihre Heimat bei der TSG und der SVW musste ums Überleben kämpfen. Neid kam auf und so wurde das Verhältnis auf allen Ebenen sehr schnell vergiftet. Dass die TSG die Hinserie der kommenden Bundesligasaison im Carl-Benz-Stadion spielt, wird nicht so negativ gesehen. Irgendwann haben beide Seiten gemerkt, dass es ohne Gemeinsamkeit nicht geht. Die brauchen Akzeptanz und Zuschauer in Mannheim, wir brauchen Geld. Ohne Hopp, der beispielsweise den Alsenweg renoviert hat, wäre der Verein vermutlich längst am Ende. Das halbe Jahr werden beide Seiten überstehen.
Stadionwelt: Habt Ihr denn keine Angst, dass viele Fans abwandern?
Buschbacher: Ich denke, dass unser derzeitiges Potenzial ziemlich unangetastet bleiben wird. Die Erfolgsfans werden natürlich zur TSG rennen. Die 50 Kilometer nach Hoffenheim wird nach dem Gastspiel in Mannheim wohl kaum einer fahren. Das ist bereits eine ganz andere Region und schon mehr Einzugsgebiet des KSC. Wären wir auch Erst- oder Zweitligist, würde sich die Situation sicherlich ganz anders darstellen.
Stadionwelt: Und wie wird man mit den Fans der TSG umgehen?
Buschbacher: Beim Waldhof macht man sich eher Gedanken um die Gästefans, wenn Clubs wie Köln oder Stuttgart kommen. In Mannheim gibt es nach wie vor ein großes Potenzial an C-Fans. Die Stadt hat diesbezüglich immer noch einen Ruf. (Stadionwelt, 2.6.2008)


