Fans als wichtigster Bestandteil des DSC

Faszination Fankurve 21.07.2008 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Bei Bielefeld spielten in der Rückrunde neben dem Kampf uns den Klassenerhalt Schriftzüge und Logos eine gewichtige Rolle. Stadionwelt sprach mit einem der Verantwortlichen der Initiative „Unser DSC“ über die Hintergründe und wie der aktuelle Stand ist.

Stadionwelt: In der Rückrunde der Saison ging es vor allem um Schriftzüge und Logos. Kannst Du für uns etwas Licht ins Dunkel bringen?
Unser DSC: In Bielefeld war in der ersten Märzwoche vor dem Heimspiel gegen Schalke ein neues Logo auf der Vereinshomepage zu entdecken. Dieses war ohne Ankündigung und Erklärung für uns Fans veröffentlicht worden. Unter das eigentliche Logo war ein Schriftzug gestellt worden und in der Gesamtgraphik als neues Logo zu erkennen. Am Samstag im Stadion folgte dann eine inszenierende Präsentation auf dem Rasen wie zu Luft, was schnell für Gesprächsstoff in der Öffentlichkeit sorgte.

Werbung
Bild: www.unser-dsc.de” loading=”lazy”>

Am Traditionstag gegen Bochum.
Bild: www.unser-dsc.de

Stadionwelt: Ihr habt eine Initiative gegründet, die „Unser DSC” heißt. Was genau waren die Beweggründe?
Unser DSC: Unser Protest implizierte vier Komponenten, die sich natürlich wechselseitig ergänzten. Primärer Faktor war, dass ein Teil des Vereinsnamens in diesem neuen Logo nicht mehr vorkam. War Arminia Bielefeld bis dato der „Deutsche Sport-Club“, so war der Titel „DSC“ auf einmal verschwunden. Wir wurden oft gefragt, warum uns diese traditionelle Verwendung des Vereinstitels so eminent wichtig sei. Der Vereinstitel DSC besitzt deutschlandweit absolute Seltenheit. Noch wichtiger war uns aber, dass der Verein die eigene Identität behält, indem er seine über hundertjährige Geschichte auch im Moment der „zukunftsorientierten Vermarktung“ nicht missachtet. Dazu gehört für uns auch die vollständige Verwendung des Vereinstitels im Vereinsschriftzug, dem wichtigsten Element der Außendarstellung. Ein ebenso wichtiger Punkt unserer Enttäuschung war die Erkenntnis, das neue Logo als nächsten Schritt einer immer weiter tragenden Vermarktungsstrategie unseres Vereins erkennen zu müssen. Diese Entwicklung lässt sich vom Verkauf des Stadionnamens, über die Einführung eines Maskottchens bis zu dieser „Modernisierung“ im Sinne einer „strategische Markenpositionierung“ zeichnen. Das neue Logo war unrühmlicher Höhepunkt einer Entwicklung, die sich auch als Kunden- und Marketingorientierung bezeichnen lässt und deutschlandweit leider keine Ausnahme darstellt. Zum dritten gab es keinerlei Vorankündigung oder Information zu dieser Logoänderung, plötzlich veröffentlichte der Verein in allen Publikationsformen – Internet, Stadionzeitung, Pressemitteilungen – den neuen Schriftzug unter dem eigentlichen Vereinslogo. Letztendlich war auch das aus unserer Sicht missglückte Design des Schriftzuges in der Öffentlichkeit insgesamt umstritten. Das „Arminia“ beinhaltete ein klein geschriebenes „i“, sowie ein groß geschriebenes I, das trotzdem einen „I-Punkt“ besaß. Komisch war das alles in jedem Fall. Viele mussten über diese Schreibung vermutlich schmunzeln, den Freunden einer vernünftigen Orthografie verging das Lachen. Um unserer Kritik gebündelt und mit aller Vehemenz Ausdruck verleihen zu können, gründeten wir die Initiative „Unser DSC“. Der Name entstand aus der Überzeugung, dass wir Fans wichtigster Bestandteil des Vereins sind, wichtigster Bestandteil des Deutschen Sport Clubs, somit ist es „unser DSC“.

Werbung

Protestiert wurde auf verschiedene Weise.
Bild: www.unser-dsc.de

Stadionwelt: Haben an “Unser DSC” alle aktiven Gruppen aus der Szene teilgenommen?
Unser DSC: Hervorzuheben ist, dass nahezu alle Generationen an der Initiative beteiligt waren. So ist es gelungen, alle unterschiedlichen Strömungen bei „Unser DSC“ zu vereinen. Erfreulich war sowohl, dass ältere Semester nicht nur ihre Unterstützung äußerten, sondern tatkräftig halfen, als auch, dass die sehr jungen Fraktionen ihre Hilfe angeboten haben. Innerhalb der aktiven Szene waren zu meinem Bedauern nicht alle Gruppen unmittelbar an Überlegungen und Planungen beteiligt. Unterstützung haben wir aber von allen Seiten erfahren, womit zu Beginn auch nicht unbedingt zu rechnen war.

Werbung
Am Traditionstag gegen Bochum.<br />
<p><strong>Stadionwelt:</strong> Was für Aktionen hat die Initiative durchgeführt?<br />
<strong> Unser DSC:</strong> Seit Erscheinen der neuen Logos gab es bei jedem Heimspiel protestierende Spruchbänder. Das war für uns natürlich die einfachste Variation der Unmutsäußerung, da man sich doch nicht sicher sein konnte, wie viele Zuschauer die Publikationen auf unserer Homepage wirklich erreichten. Die Texte mit Neuigkeiten, Forderungen und Ankündigungen erschienen mindestens wöchentlich. Für die optische Erscheinung entstand zudem eine Zaunfahne unserer Initiative mit dem Verweis auf eben diese, die fortan bei jedem Spiel zentral hing. Nach dem sehr erfolgreichen Start der Initiative im April veranstalteten wir einen „Aktionstag Tradition“ am Gründungstag unseres Vereins. Beim Heimspiel gegen Bochum am 3. Mai wollten wir so jedem schwarz-weiß-blauen Anhänger die Möglichkeit geben, sich über unsere Initiative und ihre Forderungen zu informieren, sowie unsere Materialien – Aufkleber, Mottoshirts, Buttons – zu erwerben. Die Resonanz an diesem Tag und die folgende Berichterstattung in den Medien dürften das Signal für den Verein gewesen sein, uns zu einem Gespräch einzuladen.</p>
<p><strong>Stadionwelt:</strong> Unter anderem habt Ihr auch Unterschriften gesammelt. Wie viele sind dabei zusammengekommen?<br />
<strong> Unser DSC:</strong> Innerhalb von 14 Tagen verfügten wir über 2.500 Unterschriften, die auf der Homepage hinterlassen oder am Aktionstag abgegeben wurden. Ob von den verteilten Listen in Schulen, Kneipen und anderen öffentlichen Orten alle den Weg zu uns zurückgefunden haben, wissen wir selber nicht. Aber auch die Zahl 2.500 ist absolut zufriedenstellend, wenn man die Bielefelder Relationen im Auge behält. Von 5.500 Stehplatzbesuchern ließe sich eine Unterstützung von 45 Prozent  annehmen, bei circa 8.000 Dauerkarten eine Unterstützung von 30 prozent vermuten. Letztendlich konnten wir sehr viele Leute von unserer Kritik überzeugen. Einige Wenige warfen uns zwar reaktionäres und „faschistich-nationales“ Denken vor, da uns der Titel „Deutscher Sport-Club“ so wichtig sei. Diese Annahme ist aber völlig absurd, unsere Initiative kritisierte die Logoänderung aus ganz anderen, den bereits genannten, Beweggründen.</p>
<p><strong>Stadionwelt:</strong> Letztendlich konntet Ihr Euch mit dem Verein einigen. Wie sieht der gefundene Kompromiss aus?<br />
<strong> Unser DSC:</strong> Das Logo wurde überarbeitet. Neben der Verwendung des wieder vollständigen Vereinsnamens, also inklusive des Bestandteils „DSC“, wurden auch kleine graphische Veränderungen vorgenommen. Unsere Hauptforderung wurde seitens der Vereinsführung erfüllt.</p>
<p><strong>Stadionwelt:</strong> Ist das nur ein Kompromiss oder ist man in der Szene zufrieden, den Verein zum Umdenken bewegt zu haben.<br />
<strong> Unser DSC:</strong> Ich bin mir nicht sicher, ob wirklich ein Umdenken stattgefunden hat. Ich denke der Verein musste auf den immer größer werdenden Druck von außen reagieren. In den sehr sachlich und kontrovers geführten Gesprächen wurden wir aber schon ernst genommen und unsere Argumente gehört. Das waren absolut faire Aufeinandertreffen. Der Vereinsvorstand fand das überarbeitete Werk noch gelungener. Unsere Initiative war zumindest mit der Bearbeitung und dem Entgegenkommen des Vereins zufrieden, denn das konnte nicht erwartet werden. Und doch bleibt die Enttäuschung über die sich weiter entwickelnde Markenpositionierung. Im Allgemeinen wird das Layout wohl weiter vielen missfallen.</p>
<p class=Bereits im Sommer 2006 zog die aktive Szene in den Oberrang der Südtribüne um.
Bild: DSC-LAGE – www.dsc-lage.de.vu

Stadionwelt: Wie habt Ihr den Umbau der Alm empfunden? Hat sich der bisher auf die Stimmung ausgewirkt?
Unser DSC: Die große Veränderung war für uns der Umzug vom Unterrang in den Oberrang der Südtribüne im Sommer 2006. Seitdem hat sich die Stimmung schon merklich verbessert. Der Neubau der Haupttribüne hat uns wenig beeinträchtigt. Zwar spielten wir nun ein Jahr eher auf einer Baustelle, aber spätestens im Saisonendspurt beeinflusste das die Unterstützung keineswegs mehr. Wir freuen uns natürlich jetzt in einem komplett geschlossenen Stadion zu spielen. Weiterer Reiz ist, dass der Standort mitten in der Stadt erhalten bleiben konnte. Arminia Bielefeld ist dort seit 1926 beheimatet. In anderen Städten befinden sich die Neubauten mittlerweile leider außerhalb der Städte. Das blieb uns erspart.

Stadionwelt: Was war sonst noch in Bielefeld Thema?
Unser DSC: Unser Verein spielt leider jedes Jahr gegen den Abstieg. Das verspricht zwar immer wieder Spannung, bedeutet aber auch nervenaufreibende Zeiten. Es ist nicht immer leicht, diese Situationen zu meistern. In diesem Frühjahr ist es der Mannschaft auf dem Spielfeld und den Fans auf den Rängen ein weiteres Mal geglückt. Die jetzt fünfjährige Bundesligazugehörigkeit sorgte für eine extreme Verjüngung auf den Rängen. Immer mehr junge interessierte Leuten finden den Anschluss an die aktive Szene, was uns vor die Herausforderung stellt, eventuelle Selbstdarstellerei und kurzzeitiges Erlebnisinteresse zu vermeiden, Faszination für den Fußballsport, den DSC Arminia Bielefeld und unsere Szene zu entwickeln, um dann das Miteinander von Alt, Älteren und Jüngeren weiter zu verbessern. Das beschäftigt uns weiter. Manchmal mit ein bisschen Ärger, oft genug mit Freude. Der Spaß an unserer gemeinsamen Leidenschaft wird uns in Bielefeld jedenfalls nicht verloren gehen. (Stadionwelt, 21.7.2008)

Am Traditionstag gegen Bochum.<br />Bild: www.unser-dsc.de”><figcaption>Am Traditionstag gegen Bochum.<br />Bild: www.unser-dsc.de</figcaption></figure>
<figure><img decoding=

0 Kommentare

weitere Beiträge