Peter Rottschalk ist im Vorstand des Offenbach Supporters Club. Wie sich die Fanszene am Bieberer Berg darstellt, was der Offenbach Supporters Club genau ist und wie man zu einem Umbau der Heimstätte des Drittligisten steht, erzählt der OFC-Fan im Interview.
Stadionwelt: Ist der Abstieg mittlerweile verdaut?
Rottschalk: Man denkt nicht mehr dran. Bei einem Abstieg gibt es verschiedene Aspekte: Sportlich war der Abstieg vollkommen unnötig. Er wäre zu verhindern gewesen. Emotional bin ich froh, die Gesichter einiger Spieler nicht mehr sehen zu müssen. Ein Neuanfang birgt immer Risiken. Mittlerweile bin ich vom Team positiv überrascht und habe eine kleine Hoffnung, vorne mitzumischen. Die Klasse müsste klar gehalten werden, an den Aufstieg glaube ich aber auch nicht.
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Heimspiel gegen Dresden in dieser Saison.
Bild: Bultras Dynamo
Stadionwelt: Die neue dritte Liga ist aber deutlich attraktiver als die alte Regionalliga Süd, oder?
Rottschalk: Das ist ein bisschen Augenwischerei. Es sind schließlich auch einige Zweitvertretungen dabei. Es gibt endlos lange Fahrten, beispielsweise nach Emden. Natürlich gibt es aber auch attraktive Gegner.
Stadionwelt: Wie stellt sich die OFC-Fanszene denn momentan dar?
Rottschalk: Im Moment gibt es eine Gruppe Junger, mit etwa 15 bis 20 Personen, die sich abgesondert haben und Richtung Ultrakultur zu tendieren scheinen. Alles in allem wird die Gruppe belächelt. Wir waren nicht zu Unrecht Stolz darauf, keine Ultras zu haben.
Stadionwelt: Was meinst Du mit abgesondert?
Rottschalk: Zum Beispiel haben sie den Block gewechselt, stehen aber nach wie vor auf der Geraden. Vom Offenbach Supporters Club erreichen wir die nicht. Das ist schade, weil wir gerne allen vermitteln wollen, was das Besondere daran ist, ein Fan des OFC zu sein.
Die Gerade auf den Bieberer Berg.Bild: www.welzemer-bouwe.de.tc
Stadionwelt: Wie ist denn die Stimmung am Bieberer Berg?
Rottschalk: Wenn man sie auch nicht mehr mit früher vergleichen kann, ist sie immer noch gut. Es ist eben eine andere Art Support als in anderen Stadien. Der Bieberer Berg ist old school und sein Ruf ist immer noch berechtigt. Die Delle vor einigen Jahren mit viel Anti-Support haben wir einigermaßen überwunden.
Stadionwelt: Früher war alles besser…
Rottschalk: Die Einstellung findet man natürlich bei vielen Älteren. Letztendlich kann ich mich in den 80ern auch an Spiele erinnern, bei denen keine Stimmung war. Heute merkt man am Liedgut die Orientierung jüngerer Fans an den Ultras.
Stadionwelt: Wie stellen sich denn die Auswärtsfahrerzahlen dar?
Rottschalk: Die sind auf jeden Fall ausbaubar. Die Zahlen schwanken sehr. Letztendlich hängt das vom Gegner, dem Termin und so weiter ab.
Stadionwelt: Du hast den Offenbach Supporters Club bereits erwähnt. Was hat es damit auf sich?
Rottschalk: Die ersten Gespräche gab es vor circa zwei Jahren. Einige Alt-Fans haben sich aufgrund der mangelnden Stimmung zusammengesetzt, weil es so nicht weiter gehen konnte. Im Oktober oder November 2006 wurde der OSC gegründet. Heute hat er um die 120 Mitglieder.
Zuhause gegen Mönchengladbach in der letzten Spielzeit.
Bild: www.dirkpaeffgen.de
Stadionwelt: Wie würdet Ihr Euch selber definieren?
Rottschalk: Momentan sind wir eine Faninitiative, die dauerhafte Zielsetzung soll Richtung Dachverband gehen. Wir versuchen alle Fans, egal ob jung oder alt, zu vereinen. Das geht nach und nach voran.
Stadionwelt: Was für Aktivitäten hat der OSC bisher durchgeführt?
Rottschalk: Zum Beispiel haben wir eine Schifffahrt nach Mainz und ein Fanclubturnier organisiert. Auch fast alle Aktionen auf den Rängen, wie Transparente und Spruchbändern, sind letztendlich von uns.
Stadionwelt: Wie ist das Verhältnis zum Verein?
Rottschalk: Wie bemühen uns um einen Dialog. Allerdings stellen wir unsere Unabhängigkeit heraus. Als aktive Fans müssen wir eben auch mal zu Dingen Stellung beziehen, die dem Verein vielleicht nicht genehm sind.
Stadionwelt: Eine solche Sache könnte der Stadionneubau sein.
Rottschalk: Das ist richtig. In der Szene gibt es dazu keine einheitliche Meinung. Vor kurzem gab es mal wieder eine Presseoffensive. Ich glaube, dass in der dritten Liga diesbezüglich aber nichts passieren wird. Selbst in Liga 2 nicht, weil die Stadt Offenbach kein Geld hat. Ich persönlich würde wenn für einen Umbau des Bieberer Bergs plädieren. Das Stadion hat Charakter. (Stadionwelt, 08.09.2008)


