31 Fans des SSV Reutlingen 05 haben in Folge der Partie gegen Ulm vor gut einem Monat ein Stadionverbot erhalten. Inzwischen hat die Szene E auf eine Pressemitteilung des Regionalligisten ihrerseits mit einer Stellungnahme reagiert.
Stadionwelt dokumentiert die Stellungnahme der Szene E:
Als Allererstes möchten wir anmerken, dass wir mit Verwunderung und Bedauern eine anscheinende Wandlung der Kommunikationswege mit dem SSV Reutlingen feststellen mussten. In der Vergangenheit wurde stets das persönliche Gespräch miteinander gesucht und hierbei eine fast freundschaftliche Ebene erreicht. Da sich dieses nun wohl leider geändert hat, wollen wir uns nun auf die gleiche Art und Weise zu den Vorgängen während der letzten Wochen äußern. Die in der Pressemitteilung des Vereins vom 11.09.2008 getätigten Aussagen wollen und können wir nicht so im Raum stehen lassen.
Fakt ist, dass beim Heimspiel gegen Ulm am 15.08.2008 31 Personen von der Polizei teilweise unter fadenscheinigen Begründungen in Gewahrsam genommen wurden.
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Reutlingen in Kassel.
Bild: www.knockemdown.com
Sicherlich mag bei diesem Spiel etwas mehr passiert sein, als bei einem normalen Heimspiel des SSV. Hierbei muss allerdings klargestellt werden, dass diese 31 Personen nicht aufgrund der Vorfälle am AOK-Knoten, sondern wegen dem Mitführen angeblicher “Vermummungsgegendstände” festgenommen wurden. Bei der “Einkesselung” durch Polizeibeamte vor dem Stadion selbst kam es zu teilweise kuriosen Situationen. Vornehmlich Jugendliche, die in Einzelfällen sogar noch nie vorher ein SSV Spiel besucht hatten, wurden direkt beim Verlassen der Stadtbusse zur Durchsuchung gebeten, eine Familie mit Kinderwagen von einem Beamten in den Kessel gewunken und vorbeilaufende SSV Fans nach Gutdünken ebenfalls zur Kontrolle herangezogen. Normale Gebrauchsgegenstände, wie zum Beispiel Sonnenbrillen und offizielle Fanschals des SSV Reutlingen wurden zu besagten “Vermummungsgegenständen” deklariert und reichen oftmals schon als Grund aus , um bis 24 Uhr in Gewahrsam genommen zu werden. Wie die Vertreter des SSV bei den, in der Pressemitteilung erwähnten, Vernehmungen selbst feststellen konnte, war das Gros der vorgeladenen Personen noch Minderjährig und hatte bis auf eben die besagten Sonnenbrillen oder Fanschals auch keine anders gearteten “Vermummungsgegenständen”. Des Weiteren wollen wir betonen, dass es sich bei den Festgesetzten nicht um die vermeintlichen Angreifer an der AOK handelt, sondern um einen Teil der über 300 Teilnehmer des Fanmarsches zum Stadion. Die Mehrheit der 31 jetzt mit Stadionverbot belangten Personen sind auch keine Mitglieder der Szene E und gerade deswegen setzen wir uns vehement für die Leute ein, da wir verhindern wollen, dass Jugendliche ohne böse Absichten in Bredouille geraten, da sie sich “zur falschen Zeit, am falschen Ort” befanden.
Umso erschreckender ist es für uns, dass es trotz gegensätzlicher Aussagen von Polizei und Fans und ohne Einleitung eines Verfahrens, oder geschweige denn einer Verurteilung zur Verhängung von restriktiven Maßnahmen kam. Hiermit ist leider genau das eingetreten, was von unserer Seite aus immer befürchtet wurde: Nur auf Vermutungen basierende Stadionverbote ohne abgeschlossenes Verfahren, oder Gerichtsurteil, denn im Vorfeld der neuen Saison wurden gegenüber unserer Gruppe mündliche Zusagen von Seiten des Vereins gemacht, dass genau dies nicht der Fall sein wird. Unser Modell sah vor, etwaige Stadionverbote erst auszusprechen nachdem die betroffene Person ihre Sicht der Dinge dem Verein schildern konnte und die juristische Sachlage durch ein Gericht abschließend geklärt worden ist. Dieses Modell wird von vielen anderen Vereinen so praktiziert und funktioniert wunderbar.
Gott sei Dank waren derartige Vorgänge in der Vergangenheit nicht notwendig, doch nun als dieser “Worst Case” eingetroffen ist, verfällt man in, für Fussball-Deutschland typische Reflexe und urteilt pauschal über die Köpfe der Leute hinweg. Natürlich ist es positiv, wenn die Betroffenen, wie im jetzigen Beispiel auch geschehen, sich dazu äußern dürfen, jedoch entmutigend für alle Beteiligten, wenn der Verein danach auf Grund von äußerer Beeinflussung wieder einknickt.


