„Gewalt hat in unseren Stadien nichts verloren“

Faszination Fankurve 03.05.2010 0 Kommentare

Foto: Tobias M.

Was ist ein Heimspiel ohne Fans? Das musste Hertha BSC beim Spiel gegen den VfB Stuttgart erfahren. Die Ostkurve musste bei dem Spiel gesperrt bleiben. Stadionwelt sprach mit Donato Melillo, Fanbeauftragter von Hertha BSC, über die aktuelle Situation in Berlin.

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Stadionwelt: Einige Hertha BSC-Fans gelangten beim Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg nach dem Schlusspfiff in den Innenraum des Olympiastadions und liefen Richtung Katakomben. Wie hast Du die Szenen damals erlebt?
Donato Melillo: Auf meinem normalen Platz in der Kurve. Natürlich war ich sehr erschrocken, weil es keinerlei Anzeichen für ein solches Verhalten gab. Die Aktion entwickelte sich absolut ungeplant und spontan.

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Nach dem Schlusspfiff stürmten ca. 100 Hertha-Fans in den Innenraum des Olympiastadions.
Bild: Tobias M.

Stadionwelt: Nach dem großen Aufsehen der Aktion in der deutschen Presselandschaft war klar, dass der DFB Hertha BSC hart sanktionieren würde. Wie sehr traf die Strafe den Verein und wie fielen die Reaktionen aus?
Melillo: Natürlich war es eine ausgesprochen harte Strafe. Dem Verein sind mehr als eine halbe Million Euro verloren gegangen, dazu fehlte die Unterstützung der Kurve im Spiel gegen Stuttgart. Und was auch extrem schwer wiegt: Es wurden sehr viele mit bestraft, die an der Aktion unbeteiligt waren, sie sogar verurteilen.

Stadionwelt: Die Hertha-Fans sorgten relativ schnell für eine „Alternative“. Wie sehr traf die Fans das Urteil wirklich?
Melillo: Trotz des Public Viewing in der Waldbühne sehr hart. Der Umzug war eine Strafe – und es ist doch keine Frage, dass man als Fan im Stadion sein und das Spiel live verfolgen will. Ein Bildschirm, so groß er auch sein mag, ist dafür kein Ersatz.

Stadionwelt: Die angesprochene Alternative zum Support in der Ostkurve bestand darin, gemeinsam auf der benachbarten Waldbühne das Spiel gegen Stuttgart anzusehen. War es schwer die Idee umzusetzen?
Melillo: Es ging relativ schnell und unbürokratisch. Alle haben gemeinsam an einem Strang gezogen, Verein und Fans sind sehr schnell aufeinander zugegangen und haben die Lösung erarbeitet.

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Anstatt in der Ostkurve verfolgten die Hertha-Anhänger das Spiel gegen Stuttgart auf der Waldbühne.
Bild: Hertha-Inside.de

Stadionwelt: Mehr als 7.000 Fans feierten letztendlich auf der Waldbühne. Kann man sagen, es war eine gelungene Aktion?
Melillo: Sicher war die Aktion gelungen, aber es bleibt dennoch eine Strafe. Wir hätten uns mehr Zuschauer gewünscht, dass es dann „nur“ 7.000 waren, ist sicher auch darauf zurück zu führen, dass viele Fans das so empfunden haben.

Stadionwelt: Wie geht es in Zukunft weiter bzw. wie versucht Hertha BSC ähnliche Szenen wie gegen Nürnberg zu verhindern?
Melillo: Die Szenen wie gegen Nürnberg sind (und bleiben hoffentlich auch) eine absolute Ausnahme. Hertha BSC wird den Dialog mit seinen Fans weiter so intensiv führen wie bislang. Das Bewusstsein unter den Fans, dass hier ein Fehler gemacht wurde, ist auch sehr groß.

Stadionwelt: Neben Hertha BSC traf die „neue Härte“ auch noch andere Mannschaften aus der Bundesliga und dritten Liga. Sind solche Strafen oder gar Geisterspiele aus Deiner Sicht adäquate Mittel, um gegen Gewalt und Pyrotechnik in den Stadien vorzugehen?
Melillo: Gewalt hat in unseren Stadien nichts verloren – also muss es auch Strafen geben. Aber diese Frage müssen sie dem DFB stellen. (Stadionwelt, 03.05.2010)

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Nach dem Schlusspfiff stürmten ca. 100 Hertha-Fans in den Innenraum des Olympiastadions.
Bild: Tobias M.
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Anstatt in der Ostkurve verfolgten die Hertha-Anhänger das Spiel gegen Stuttgart auf der Waldbühne.
Bild: Hertha-Inside.de
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