In vielen Fankurven ist der Regionalligist RB Leipzig ein Feindbild. Stadionwelt sprach mit dem Geschäftsführer von RB Leipzig über die Kritik der Fans, die sportlichen Ziele und die Fanszene des Vereins.
Stadionwelt: In der letzten Saison gelang der Mannschaft von RB Leipzig souverän der Aufstieg in die Regionalliga Nord. In dieser Saison hat sich RB Leipzig in der Spitzengruppe festgesetzt, jedoch wird ein Durchmarsch schwierig. Für wann ist der Aufstieg in die dritte Liga geplant und wo soll es langfristig hingehen?
Dr. Dieter Gudel: Wir nehmen den Aufstieg in die 3. Liga in dieser Saison in Angriff. Wir sind davon überzeugt, dass wir dieses Ziel auch erreichen können. Sollte es in dieser Saison nicht klappen, werden wir unsere Bemühungen in der kommenden Regionalliga-Saison nochmals verstärken. Langfristig soll RB Leipzig fester Bestandteil der Bundesliga werden.
Stadionwelt: Sieht man die TSG Hoffenheim in Leipzig als Vorbild an?
Dr. Gudel: Grundsätzlich wollen wir in Leipzig unseren eigenen Weg gehen, weil die Voraussetzungen und Umstände anders gelagert sind als in Hoffenheim. Es gibt aber Dinge, die für uns durchaus Vorbildcharakter haben können, zum Beispiel die sportliche Konsequenz, die Nachwuchsakademie oder das Trainingsgelände.
Stadionwelt: Kritiker werfen Ihnen vor die 50+1 Regel des Deutschen Fußball-Bundes durch die Übernahme der ersten Mannschaft eines Oberligisten umgangen zu haben. Halten sie die 50+1 Regel für sinnvoll oder plädieren sie für eine Abschaffung?
Dr. Gudel: Wir maßen uns nicht an, die bestehenden Regeln zu bewerten. RB Leipzig wird sich an die Regularien des Deutschen Fußball-Bundes und der Deutschen Fußball-Liga halten und akzeptieren.
Stadionwelt: Wie ist der aktuelle Stand beim Vereinslogo?
Dr. Gudel: Unser Vereinslogo ist schon seit Ende der vergangenen Saison offiziell beantragt und genehmigt worden.
Stadionwelt: Vor der Übernahme des SSV Markranstädt stand der Einstieg von Red Bull beim FC Sachsen Leipzig zur Diskussion. Woran scheiterten die Pläne?
Dr. Gudel: Eventuelle Gespräche mit anderen Vereinen kommentieren wir nicht.
Stadionwelt: In den Veröffentlichungen von RasenBallsport Leipzig werden hauptsächlich die Anfangsbuchstaben „R“ und „B“ kommuniziert. Ebenfalls ist die Internetpräsenz des Vereins über Redbulls.com zu erreichen. Steht „RB“ in Wirklichkeit nicht einfach nur für Red Bull?
Dr. Gudel: Unser Verein heißt RasenBallsport Leipzig und wird, wie bei anderen Vereinen ebenfalls üblich, abgekürzt, weil der Name zu lang und umständlich ist, ähnlich wie beim Verein für Bewegungsspiele Stuttgart oder Ballspielverein Borussia 09 Dortmund.
Stadionwelt: RB Leipzig steht in der Kritik bei Fans aus der gesamten Bundesrepublik. Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe und ist Kritik an RB Leipzig legitim?
Dr. Gudel: Alle Vereine der Bundesliga und darunter haben ein starkes Interesse daran, ihren Klub so gut wie möglich zu vermarkten und sie tun es auch. Kritik ist erlaubt und der stellen wir uns auch.
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Viele Fanszenen üben kreativen und friedlichen Protest gegen RB Leipizig
Bild: Steffen Colditz
Stadionwelt: Neben vielen friedlichen Protestaktionen kam es auch zu Aktionen, die dem Verein direkt Schaden zufügten, wie zum Beispiel ein Anschlag mit Unkrautvernichter im Stadion am Bad in Markranstädt in der Nacht vor einem Spiel von RB Leipzig. Ist der Verein häufiger Opfer solcher oder ähnlicher Attacken geworden und was ist ihre Botschaft an die Täter?
Dr. Gudel: Es gab bislang lediglich drei Einzelfälle, was aber schlimm genug ist. Von systematischen Anfeindungen zu sprechen, wird der Situation überhaupt nicht gerecht und verzerrt die Gesamtlage. Unsere Botschaft lautet, dass wir uns von unserem Weg nicht abbringen lassen und solche Aktionen den Fußball kaputt machen.
Stadionwelt: Auch innerhalb Leipzigs steht der Verein häufig in der Kritik von Fans von Lokomotive Leipzig, Sachsen Leipzig bzw. Chemie Leipzig. Spürt RB Leipzig in der Stadt Gegenwind?
Dr. Gudel: Nein, wir spüren in der Stadt auf breiter Ebene volle Zustimmung, haben zudem die meisten Zuschauer sowie volle ViP-Bereiche. Ablehnung von Sympathisanten anderer Vereine ist genauso normal wie in anderen deutschen Städten auch.
Stadionwelt: Leipzig ist bekannt für Auseinandersetzungen zwischen Fans von verschiedenen Vereinen aus Leipzig. Die RB Leipzig Fans distanzierten sich zuletzt deutlich von Gewalt. Sicherlich etwas erfreuliches für einen Verein?
Dr. Gudel: Wir freuen uns, dass sich so viele Fans für RB Leipzig interessieren und finden es gut, dass sie Gewalt ablehnen. Das ist ganz im Sinne des Vereins. Es ist nicht immer einfach, Fan von RB zu sein, deswegen zollen wir den Aktivitäten und dem Engagement unserer Anhänger größten Respekt.
Die LE Bulls distanzierten sich zuletzt deutlich von GewaltBild: www.braunschweig1895.de
Stadionwelt: Wie ist das Verhältnis der oben angesprochenen Leipziger Vereine untereinander?
Dr. Gudel: Wir haben ein ausgesprochen gutes Verhältnis zu den Vereinsverantwortlichen der anderen Leipziger Vereine.
Stadionwelt: Wie hat sich die Fanszene von RB Leipzig in letzter Zeit entwickelt? Welche Fanclubs haben sich gegründet?
Dr. Gudel: Wir verfügen mittlerweile über drei offizielle Fanclubs mit mehr als 200 Mitgliedern und es werden wöchentlich mehr. Das Spiel gegen Hertha BSC II mit 7.122 Zuschauern hat gezeigt, dass das Interesse der Leipziger an RB immer größer wird. Es liegt an uns, dass wir mit attraktivem und erfolgreichem Fußball die Leipziger Fußballfans für uns gewinnen.
Stadionwelt: Wie hoch ist zurzeit der Zuschauerschnitt bei Heimspielen?
Gudel: Der aktuelle Zuschauerschnitt liegt bei über 5.300 Besuchern pro Spiel. Vor der Saison haben wir mit einem Schnitt von 2.500 kalkuliert. Wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden.
Stadionwelt: Für Regionalligaverhältnisse ist der Zuschauerschnitt bei RB Leipzig sicherlich ganz ordentlich. Hat sich der Umzug in die Red Bull Arena (ehemals Zentralstadion) bereits gelohnt?
Dr. Gudel: Ja, auf jeden Fall. Diese Entscheidung war richtig und hat sich bereits bezahlt gemacht. Wir sind ein Leipziger Verein, deswegen haben wir uns frühzeitig für den Umzug in die Red Bull Arena entschieden, die unseren Bedürfnissen am besten nachkommt.
Bei RB Leipzig ist man zufrieden mit dem Umzug in die Red Bull Arena
Bild: Stadionwelt
Stadionwelt: Wie ist das Verhältnis von RB Leipzig zu den anderen von Red Bull geführten Vereinen?
Dr. Gudel: Wir pflegen regelmäßigen und kollegialen Austausch mit den Verantwortlichen der anderen Klubs.
Stadionwelt: In einem Interview mit der Kronen-Zeitung im Mai diesen Jahres erklärte Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz "in fünf bis sieben Jahren mit dem stärksten Team in Leipzig in der Bundesliga zu spielen und in Österreich mit einem quasi U-21-Team anzutreten“. Versteht sich der Verein in Leipzig mittlerweile als Hauptzugpferd des Red Bull Konzerns?
Dr. Gudel: Durch den Standort Deutschland, wo der Fußball eine sehr große Bedeutung hat, haben wir sicherlich eine hohe Aufmerksamkeit. Wir freuen uns, dass wir von Red Bull die volle Rückendeckung genießen und werden uns dementsprechend weiterentwickeln.
Stadionwelt: Zu Beginn des Jahres 2010 wurde Dietmar Beiersdorfer Vorstandsvorsitzender und Präsident des Vereins. Wie schaffte es der Verein Beiersdorfer, der zuvor für den Hamburger SV arbeitete, in die Oberliga zu locken?
Dr. Gudel: Das müssen Sie ihn selbst fragen. Nur soviel: Dietmar Beiersdorfer ist ein absoluter Fußball-Fachmann, dem Leipzig sehr am Herzen liegt.
(Stadionwelt, 05.11.2010)


