„Bierduschen, Freudenfeuer und Umarmungen“

Faszination Fankurve 08.07.2012 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

In Fürth wird in der kommenden Saison wieder Erstligafußball gespielt. Im ersten Teil des Interviews sprach Stadionwelt mit den Horidos 1000 über den Aufstieg und das Verhältnis zu den Fans des 1. FC Nürnberg nach dem vergangenen Derby, sowie über den Geburtstag der Gruppe.

Stadionwelt: Euer Team ist nach mehrmaligem knappen Scheitern in die erste Bundesliga aufgestiegen. Wie habt ihr den Aufstieg erlebt?
Horidos 1000: Innerhalb der Gruppe war die ganze vergangene Saison über schon eine große Divergenz an Meinungen auszumachen. Manche waren von Anfang an zuversichtlich, andere hatten beschlossen, es solange nicht an sich rankommen zu lassen, bis rechnerisch wirklich nichts mehr geht. So gab es Leute unter uns, die noch beim Spiel Dresden gegen Düsseldorf meinten, es würde auch dieses Jahr wieder nichts werden. Die breite Masse war auf jeden Fall sehr lange sehr vorsichtig in ihrer Prognose, eben weil wir in Fürth schon öfters Pferde haben kotzen sehen. Die letzten Minuten des besagten Spiels, das wir gemeinsam am TV verfolgten, waren dann auch mit die zähesten Minuten seit langem, da war nur die letzte Viertelstunde des Derbys schlimmer. Mit dem Abpfiff um uns rum grenzenloser Jubel, die meisten unter uns zogen allerdings erst mal ein „Fuck-wir haben es wirklich oder?“-Gesicht . Danach gab es direkt am Stadion unzählige Bierduschen, Freudenfeuer und Umarmungen vor den staunenden Gesichtern der Spieler, bevor man gemeinsam im Corteo in Richtung Innenstadt nochmals die restlich schlafende Fürther Bevölkerung auf die Straßen holte. Was sich daraufhin in der Gustavstraße in und außerhalb der Kneipen abspielte, wird wohl jedem/r Beteiligten noch sehr lange im Gedächtnis bleiben.
Der Rest der Feierlichkeiten mit der vom Verein organisierten Schlagerballermannmassenparty mit endlos Micky Krause Schleife vor dem Rathausbalkon hat sich wohl kaum von dem unterschieden, was man aus anderen Städten gewohnt ist und war der Sache definitiv nicht würdig. Erwähnens war wohl höchstens noch die passende Frage von Mike Büskens, der über das Mikro wissen wollte wo all die Menschen – 30 000 an der Zahl – während der Saison waren.

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Bild: spvgg-fuerth.com” loading=”lazy”>

Aufstiegsfeier am Rathaus.
Bild: spvgg-fuerth.com

Stadionwelt: Neben dem Aufstieg ins Oberhaus war sicherlich das gewonnene Pokalspiel in Nürnberg das Highlight der Saison. Fasst die Ereignisse rund um diese Partie bitte nochmal zusammen.
Horidos 1000: Derby, das bedeutet immer Ausnahmezustand. Wenn das Ganze dann auch noch im Pokal stattfindet, ist das noch mal eine ganz andere Nummer. Es hängt einfach viel mehr von so einem Spiel ab, als wenn es noch ein Rückspiel gibt, zumal wir zu dem Zeitpunkt noch nicht wussten, wann das nächste Aufeinandertreffen stattfinden sollte. Ansonsten trifft es der Ausdruck „außergewöhnlich“ wirklich gut. Der Jubel beim Treffer zum 1:0, in dieser Intensität, Lautstärke und Dauer, das war schon eine wohl einmalige und bis dato nicht erlebte Erfahrung. Die letzte Viertelstunde kam dann jedem/r wie eine Ewigkeit vor, irgendwann pfiff der Unparteiische dann doch noch in seine Pfeife und besiegelte den Derbysieg. Der Einladung von Nürnberger Seite einem Tänzchen auf der Aschenbahn beizuwohnen wurde bekanntlich nicht gefolgt. Stattdessen zog es uns nach Fürth, um diesen denkwürdigen Abend zu genießen. Was da, fernab vom Massenhype und Presse ablief, lässt sich wenn überhaupt nur schwer beschreiben, es war schlicht und ergreifend zu verrückt, zu wild. JedeR der da war, hat einen Eindruck bekommen wie wichtig der Derbysieg für die Fürther Seele war und dass in der Nachbetrachtung mit diesem Spiel der entscheidende Grundstein für den Aufstieg gelegt wurde.

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Mit Pyro wird der Aufstieg beim FSV Frankfurt gefeiert.
Bild: spvgg-fuerth.com

Stadionwelt: Die Horidos 1000 feiern Ende Juli ihren fünften Geburtstag. Zeit die Geschichte der Gruppe Revue passieren zu lassen.
Horidos 1000: An erster Stelle blicken wir mit einem gewissen Stolz ob des Geschaffenen auf die vergangenen fünf Jahre. Wenn man sich die Bilder der ersten Spiele nach unserer Gründung in Kontrast mit denen der vergangenen Monate ansieht, so können wir auf eine Entwicklung blicken, die wir damals bei der Gründung und der Zeit danach wohl so kaum prophezeit hatten. Mittlerweile ist die Gruppe aus den Kinderschuhen geschlüpft und kann auch auf einen steten Prozess der Reifung zurückblicken. Sei es nun eine vermehrte politische Aktivität, ein gutes Standing in unserem Verein oder aber auch die stete Vergrößerung des aktiven Kerns, all das sind Ergebnisse eines langen Prozesses innerhalb der letzten fünf Jahre, der natürlich inner- und außerhalb der Gruppe von viel Arbeit geprägt war, dennoch aber zu einen zufriedenstellenden Ergebnis geführt hat. Natürlich ist auch weiterhin nicht alles Gold was glänzt und so liegt weiterhin viel Arbeit vor uns.

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Aufstiegsfeier am Rathaus.<br />
<p><strong>Stadionwelt: </strong>Und wie sieht es außerhalb eurer Gruppe gerade in der Fanszene in Fürth aus?<br />
<strong>Horidos 1000: </strong>Wie sollte es bei dem momentanen Erfolg auch anders sein: Sie wächst. Fanklubs fernab des Supports sprießen aus dem Boden wie noch was und teilweise ist es schon sehr verwunderlich, von wo überall her die Leute alle kommen. Das spiegelt sich aber auch in positiver Art und Weise in unserem Umfeld wider. Was Leute an Strecken auf sich nehmen, sowohl unter der Woche als auch am Wochenende, um an gemeinschaftlichen Aktivitäten und Spielen teilnehmen zu können, ist beachtlich. Das soll nun jedoch nicht über die Tatsache hinweg täuschen, dass die „Szene“ in Fürth nach wie vor verhältnismäßig klein ist. Trotzdem oder gerade deswegen wird es die große Aufgabe der Gruppe sein, sich gegenüber diesem Andrang zu bewähren, sich weiter entwickeln zu können und dabei eben nicht an Gesicht und Profil zu verlieren.<br />
Ansonsten funktioniert die Zusammenarbeit mit den Sportfreunden Ronhof und Stradevia 907 nach wie vor gut.</p>
<p><strong>Stadionwelt: </strong>Wie werdet ihr euren Geburtstag Ende Juli feiern?<br />
<strong>Horidos 1000: </strong>Wir haben Ende Juli eine große Feier in der Fürther Stadthalle organisiert, auf der verschiedene Bands ihre Musik darbieten werden, die in den vergangenen Jahren schon auf den zwei Auflagen von "Block12 in Concert" aufgetreten waren und hoffentlich einen schönen Rahmen für unseren Geburtstag bieten werden. Daneben wird natürlich auch in kleinerer Runde intern gefeiert werden.</p>
<p class=Derby beim Nachbar in Nürnberg.
Bild: spvgg-fuerth.com

Stadionwelt: Auch in der neuen Saison werdet ihr wieder auf Club aus Nürnberg treffen. Wie hat sich das Verhältnis zu den Nürnbergern in letzter Zeit entwickelt?
Horidos 1000: Man mag sich nach wie vor nicht, was sich so schnell wohl auch nicht ändern wird. Trotzdem ist es schwer von „den Nürnbergern“ zu reden, bzw. wird der großen Szene unseres Nachbarn auch nicht gerecht. Da gibt es solche und solche. Generell ist es in der letzten Zeit tendenziell schon ruhiger geworden, wobei es gerade im Umland nach wie vor Zwischenfälle gibt die wir definitiv nicht gut heißen können und unserer Meinung nach weit über das Ziel hinaus schießen, keine Frage. Wie sich die Geschichte nun in der neuen Saison entwickeln wird, ist im Grunde Spekulation, doch die Wahrscheinlichkeit, dass einige von der Anti-FÜ-Doktrin besessenen Nürnberger nun meinen, ihre Vormachtstellung in der Region auf ihre Art und Weise zu betonen, ist nicht ganz gering.

Stadionwelt: Ihr habt das Auswärtsspiel bei 1860 München nicht besucht. Erklärt doch bitte nochmal die Gründe für euer Fernbleiben.
Horidos 1000: Wie bereits im letzten Jahr haben wir auch in der abgelaufenen Saison das Spiel in München boykottiert. Geschuldet war dieser Umstand den wohl mittlerweile bekannten Vorkommnissen bei unserem Pokalspiel gegen den FC Bayern im Februar 2010. Wie bereits in unserer Stellungnahme beschrieben, welche auch auf eurer Homepage veröffentlicht wurde, ging die örtliche Polizei in Person des berüchtigten Unterstützungskommandos(USK) völlig unverhältnismäßig und belanglos auf jeglicher Couleur von Kleeblattfans los. Dabei gab es mehrere Verletzte und Anzeigen unter den Fans zu beklagen, die mittlerweile jedoch glücklicherweise zum Großteil aufgrund mangelnder Beweislage eingestellt bzw. freigesprochen wurden. Selbstverständlich wurden ebenfalls Gegenanzeigen gestellt, welche jedoch aufgrund mangelnder Kennzeichnung und polizeilicher Eigenermittlungen meist ins Leere verliefen. Somit ist eine juristische Klärung von Seiten der Polizei, wie zu erwarten, bis heute nicht erfolgt. Insgesamt also ein mehr als unbefriedigendes Ergebnis.
Aufgrund dessen hatten wir als Gruppe beschlossen bis auf weiteres allen Spielen in diesem Stadion fernzubleiben, da wir nicht damit konform gehen konnten Jahr für Jahr in München unserer Rechte beschnitten zu werden. Kaum ein anderes Stadion „glänzt“ dabei, unabhängig von unseren Vorfällen, mit einem solch „fanfeindlichem“ Verhalten. Schon die Jahre zuvor mussten wir dies immer wieder am eigenen Leibe erfahren. Im Februar 2010 war schließlich ein Punkt erreicht an dem das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht wurde und wir uns entschlossen vorerst einen Schlussstrich zu ziehen. Natürlich fiel es den meisten unter uns sehr schwer ihren Verein, vor allem in der damaligen sportlich exzellenten Lage, nicht unterstützen zu können, jedoch sitzt der Stachel und Frust von damals noch immer sehr tief.
Im Zuge dieser Vorfälle hatten wir in den letzten Monaten in Kooperation mit Amnesty International vermehrt Aufklärungsarbeit in puncto Kennzeichnungspflicht für Polizisten geleistet. Die von Amnesty ins Leben gerufene Kampagne sehen wir als einen sehr wichtigen Grundbaustein an, um mehr Transparenz innerhalb der Polizei herbeiführen zu können. Natürlich ist die Kennzeichnungspflicht ein wichtiger Bestandteil dieser, um unrechtmäßige Polizeigewalt aufklären zu können.
Eine ausführliche Stellungnahme zu unserem Fernbleiben ist unter http://www.horidos.de nachzulesen. (Stadionwelt, 08.07.2012)

Hier geht es zum zweiten Teil des Interviews, indem es um das Engagement der Fürther Fans für die Kennzeichnungspflicht von Polizisten und den Stadionneubau geht. 

Aufstiegsfeier am Rathaus.<br />Bild: spvgg-fuerth.com”><figcaption>Aufstiegsfeier am Rathaus.<br />Bild: spvgg-fuerth.com</figcaption></figure>
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