„Vereine müssen sich zu den DFL-Zielen bekennen“ 2/2

Faszination Fankurve 11.12.2012 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Im zweiten Teil des Interviews mit Stadionwelt spricht sich Rainer Wendt, Chef der Polizeigewerkschaft, unter anderem gegen den geforderten Sicherheits-Euro sowie Schnellverfahren, aber für Einsatzgelder für die Polizei aus.

Im ersten Teil spricht Rainer Wendt unter anderem über das Sicherheitspapier.
 

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Rainer Wendt

Stadionwelt: Wie sollte man gegen Wiederholungstäter vorgehen?
Wendt: Es ist wichtig, über die Einlasskontrollen zu bewirken, dass mit Stadionverboten belegte Fans draußen bleiben. Die Vereine müssen ihre Verantwortung kennen, was die Verbote angeht. Bei über 10.000 von der Polizei gestellten Anträgen, wurden nur rund 1.000 umgesetzt. Wir wünschen, dass unverbesserliche Wiederholungstäter ein langes Stadionverbot bekommen. Es ist auch wichtig, dass Straftäter durch Gerichtsurteile einen Abschreckungseffekt erhalten. Pyrotechnik ist kein Kavaliersdelikt und hat nichts mit Fankultur zu tun, sondern gefährdet die Leute. Mein Eindruck ist aber, dass Gerichte die Verantwortung erkannt haben.

Stadionwelt: Könnten die von BVB-Boss Hans-Joachim Watzke angeregten Schnellverfahren direkt im Stadion Früchte tragen?
Wendt: Da ist Herr Watzke über das Ziel hinaus geschossen. In den großen Stadien ist es gängige Praxis, dass speziell geschulte Staatsanwälte vertreten sind, die sofort die Führung des Strafverfahrens übernehmen. Wir sind in einem Rechtsstaat, in dem jedem Angeklagten eine angemessene Beweisaufnahme, Verteidigung und Verhandlung zusteht.

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Stadionwelt: Aus dem Jahresbericht der ZIS geht hervor, dass unter anderem Gewalttaten zugenommen haben. Wie erklären Sie sich die Gewaltzunahme?
Wendt: Man würde dem Fußball unrecht tun, wenn man diese Entwicklung als reines Fußballthema betrachtet. Gewalt dient zur Konfliktbewältigung und ist ein gesellschaftliches Problem, das mit einer allgemeinen Abnahme der Akzeptanz von Ordnung und staatlicher Autorität verbunden ist.

Stadionwelt: Von Fanseite wird oftmals eine Differenzierung gefordert, wie die Verletzten zustande gekommen sind. Was entgegnen Sie?
Wendt: So eine Diskussion ist unsinnig, da sie die Gewalt relativiert und verharmlost. Jeder Verletzte ist einer zu viel.

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Stadionwelt: Dennoch steht seitens der Fans der Vorwurf im Raum, die Polizei würde zahlreiche Verletzungen verursachen.
Wendt: Die Anschuldigungen hören wir immer wieder. Die Polizei ist dazu verpflichtet und es ist unser gesetzlicher Auftrag bei Veranstaltungen die Sicherheit zu gewährleisten. Wenn in Wahrnehmung dieses Auftrages Verletzungen zustande kommen, ist es in der Regel das Problem des Demonstranten. Dennoch befinden wir uns mit der Bereitschaftspolizei, einer sehr professionellen Abteilung, im ständigen Prozess Verbesserungen zu erarbeiten, um Gewalt zu senken.

Stadionwelt: Relativiert sich die Gewaltproblematik etwas, wenn man die Verletzten in Relation zur gesamten Besucherzahl setzt?
Wendt: Wenn man diese Herangehensweise auf andere Sachverhalte bezieht, wird klar, wie falsch sie ist. Man kann auch sagen: ,Wir haben über 80 Millionen Einwohner, aber in Relation nur so wenige Todesopfer, da brauchen wir nicht ermitteln‘. Die Zahlen zu relativieren verharmlost die Thematik.

Stadionwelt: Häufiger Stein des Anstoßes ist der Einsatz von Pyrotechnik. Gesetzlich ist es verboten, dennoch geben Fans nicht nach. Was könnte eine Lösung des Problems sein?
Wendt: Es war ein großer Fehler des ehemaligen DFB-Sicherheitschefs Helmut Spahn den Fans den Eindruck zu vermitteln, der DFB könnte eine Vereinbarung treffen, unter der man Pyro abbrennen könnte. Es ist so, als würde sich ein Betrunkener mit dem Barkeeper unterhalten, ob er noch Auto fahren darf. Der Gesetzgeber hat beide Fragen klar geregelt und wenn es zugelassen werden soll, muss man sich an den Gesetzgeber wenden und nicht den DFB. Ich glaube aber nicht, dass sich das umsetzen lässt und notwendig ist. Diese 2.000 Grad heißen Gegenstände haben im Stadion nichts verloren, denn irgendwann fliegen sie durch die Gegend. Pyrotechnik hat nichts mit der Fankultur zu tun, sondern ist eine Straftat.

Stadionwelt: Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier hat zuletzt einen Sicherheits-Euro gefordert. Eine gute Idee?
Wendt: Es kann ja wohl nicht wahr sein, dass der Fan zur Kasse gebeten werden soll. Es sollten die zur Verantwortung gezogen werden, die am meisten Geld verdienen. Die DFL streicht unter anderem über TV-Gelder Gelder in Milliardenhöhe ein.

Stadionwelt: Die Polizei fordert auf der anderen Seite mehr Gelder für die Einsätze.
Wendt: Die Thematik ist in der Vergangenheit häufig falsch interpretiert worden, weil gerne behauptet wird, die Polizei würde von den Vereinen eine Kostenbeteiligung verlangen. Das wäre aber ein großer Fehler, da einige Mannschaften Wettbewerbsnachteile erleiden würden. Denn während der eine Verein den finanziellen Aufwand aus der Portokasse zahlen könnte, würden andere pleitegehen. Wir haben von Anfang an gefordert, dass sich DFB und DFL mit einer pauschalen Sicherheitsgebühr in Höhe von 50 Millionen Euro beteiligen sollen, um den Einsatzkräften die Überstunden und Wochenendeinsätze vernünftig vergüten zu können. Die Erhebung einer Verwaltungspauschale ist in Deutschland, zum Beispiel bei der Beantragung eines Reisepasses, gang und gäbe.(Stadionwelt, 11.12.2012)

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