„Der Verein nimmt uns scheinbar sehr ernst“

Faszination Fankurve 18.06.2013 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Am 29. Juni kommt es in Gelsenkirchen zur Jahreshauptversammlung des FC Schalke 04. Ein Streitthema des Tages dürfte die Kooperation des S04 mit Viagogo sein. Stadionwelt sprach im Vorfeld der Mitgliederversammlung mit den Initiatoren der "ViaNOgo-Bewegung" auf Schalke.

Werbung

Stadionwelt: Das Ziel Unterschriften von zehn Prozent der stimmberechtigten Mitglieder auf Schalke zu sammeln, um eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen wurde verpasst. Seid Ihr dennoch zufrieden mit der Aktion, hättet Ihr im Nachhinein etwas anders gemacht?
Kleine Gruppe 2.0: Natürlich sind wir zufrieden mit der Aktion und stolz darauf, dass wir so viele Fans auf unserer Seite haben, selbst wenn uns knappe 1.000 Unterschriften fehlen. Ohne unsere Aktion wäre gar nichts passiert. Durch unsere Aktion haben wir sehr viel Aufmerksamkeit erhalten, nicht nur in unserem Verein, sondern auch bei anderen Vereinen (Beispiel Augsburg). Oder nehmen wir die Aussagen aus Mönchengladbach oder aus der verbotenen Stadt, die sich ganz klar gegen Viagogo aussprechen. Solche Aussagen hätte ich mir von unserem Vorstand gewünscht. Auch in der Presse ist man mittlerweile auf unserer Seite. Und noch ist ja nicht aller Tage Abend. Klar lernt man auch aus Fehlern, die man gemacht hat. Es ist ja nicht unser Hauptberuf, und dennoch haben wir eine für unseren Verein einzigartige  Aktion geschaffen. Wir haben unendlich viel private Zeit und Arbeit investiert. Ob ich wirklich nochmal alle Anträge in der gleichen Form stellen würde, weiß ich nicht. Man hat alles im Guten versucht, leider ist aber das Gute nicht immer das Beste.
 
Stadionwelt: Schalke 04 untersagte es Euch auf dem Vereinsgelände Unterschriften zu sammeln. Für einige Schalke-Fans soll es gar Hausverbote gegeben haben, weil sie Flyer verteilten. Welche Steine wurden Euch vom Verein in den Weg gesetzt und wie seid Ihr damit umgegangen?
Kleine Gruppe 2.0: Generell hat der Verein alles versucht, um eine außerordentliche Mitgliederversammlung zu verhindern. Auch wenn Alexander Jobst im persönlichen Gespräch betont hat, dass er das anders sieht. Leider können wir Stand jetzt nichts Genaueres sagen, weil das Protokoll aktuell noch nicht fertiggestellt ist. Ich persönlich glaube nicht, dass es rechtlich erlaubt ist, so etwas zu verbieten. Hier hat unser Verein den Schutz eines eventuell künftigen Sponsors über das Recht der Vereinsmitglieder gestellt. Unsere Satzung sieht so etwas nicht vor. Der entsprechende Satzungsänderungsantrag ist bereits für die JHV 2014 in der Schublade, damit so etwas künftig nicht wieder vorkommt.
Man ist natürlich persönlich von seinem Verein enttäuscht, wenn man als aktives Mitglied so beschnitten wird in seinen Rechten. Es ist schon ein Hammer, dass man Tagesstadionverbote erhält, wenn man Flyer verteilt, die ausschließlich Informationszwecken dienen sollten. Aber dazu hat unser Verein beigetragen. Ich möchte noch deutlicher werden, er hat uns dazu genötigt, diesen Schritt zu gehen.
 
Stadionwelt: Zur Jahreshauptversammlung am 29. Juni habt Ihr und andere Schalke-Fans zahlreiche Anträge gestellt, die ohne Begründung abgelehnt wurden. Besteht dennoch eine Chance, dass das Thema Viagogo auf der Jahreshauptversammlung behandelt wird?
Kleine Gruppe 2.0: Dies wird derzeit juristisch geprüft, in den nächsten Tagen können wir dazu Auskunft geben. Es ist richtig, dass alle von Mitgliedern eingereichten Anträge zur Schalker Jahreshauptversammlung vom Aufsichtsrat pauschal und ohne Begründung abgelehnt worden sind. Dies ist ein Vorgang, den es in dieser Form in der Schalker Vereinsgeschichte wohl noch nie gegeben hat. Dabei hatten gar nicht mal alle Anträge „viagogo“ zum Thema, es waren auch völlig andere Themen dabei, dennoch wurde auch hier pauschal und ohne weitere Erläuterung abgelehnt. Wir sind allerdings inzwischen zu der Auffassung gekommen, dass die Ablehnungen vermutlich einen Formfehler beinhalteten und daher als ungültig zu betrachten sind. Um also die Anträge dennoch auf der Jahreshauptversammlung am 29. Juni zur Abstimmung zu bekommen, haben wir beim Ehrenrat um internen Rechtsschutz gebeten. Dies bedeutet, dass der Ehrenrat nun prüfen soll, ob der von uns so aufgefasste Formfehler dazu führt, dass die Anträge doch noch zur Abstimmung gelangen.
 
Stadionwelt: Die Jahreshauptversammlung wird zusammen mit einem Familientag und einem 20-minütigen Musicalmedley stattfinden. Zudem wird es ein Vorverkaufsrecht auf Tageskarten für Mitglieder geben. Befürchtet Ihr das damit kritische Stimmen mundtot gemacht werden wollen?
Kleine Gruppe 2.0: Hierzu möchten wir betonen, dass wir der Meinung sind, dass es ohne unsere Aktion diese „Kirmesveranstaltung“ nicht geben würde. Der Verein nimmt uns und unsere Aktion scheinbar sehr ernst. Durch diese Aktion wird sicherlich versucht, Leute auf die JHV zu bekommen, die sich sonst nicht mit Vereinspolitik beschäftigen und bei denen nun eher das angepriesene „Event“  im Vordergrund steht als der eigentliche Sinn der Mitgliederversammlung, die ja immerhin das oberste Beschlussorgan des Vereins darstellt.
 
Stadionwelt: Am vergangenen Samstag kam es unter anderem zu einem Treffen mit dem Vorstand des FC Schalke 04. Wie verlief das Gespräch, gab es von Seiten des Vereins ein Entgegenkommen?
Kleine Gruppe 2.0: Auf Wunsch von Herrn Jobst werden wir das Gesprächsprotokoll  von Samstag, dem 15. Juni, erst dann veröffentlichen, wenn es von beiden Seiten abgesegnet ist. Der erste Entwurf liegt uns vor, wird momentan überprüft und dann mit dem Vorstand abgestimmt. Wir sind an einer zeitnahen Veröffentlichung interessiert, können aber noch nicht sagen, wann diese erfolgt. Zunächst müssen beide Seiten Übereinstimmung zum Text erzielen. Bis dahin bitten wir um Geduld. Von unserer Seite wird es sicherlich eine Stellungnahme geben. (Stadionwelt, 18.06.2013)

Werbung
Werbung

0 Kommentare

weitere Beiträge