Im ersten Teil des Interviews mit der Ultàgruppe Caillera sprach Faszination Fankurve mit den Bremer Ultras über die Neugründung unter ähnlichem Namen, über Thomas Schaaf, über die Mentalität der Gruppe und über die Bündnispolitik.
Faszination Fankurve: Als eine noch recht frische Ultragruppierung stellt sich natürlich die Frage nach Eurer Gründungsgeschichte. Wie kam es zur damaligen Auflösung der Vorgängergruppe Racaille Verte (RV)?
Caillera: Hallo und moin, moin erstmal an alle Leser*innen. Aufgrund verschiedener Vorstellungen hat sich Racaille Verte damals nicht aufgelöst, sondern geteilt. Racaille findet sich deshalb auch in unserem Namen wieder. Wir (die Gründer*innen von Caillera) wollten von vornherein weitermachen und sehr ähnliche Ziele verfolgen: Support und Fanpolitik, aber auch gesellschaftliche Arbeit leisten.
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Support und Fanpolitik, aber auch gesellschaftliche Arbeit leisten
Bild: caillera.net
Faszination Fankurve: Was hat Euch dazu veranlasst Euch kurz nach der Auflösung von RV unter dem Namen Caillera neu zu gründen beziehungsweise der Gruppe einen neuen Namen zu geben?
Caillera: Die Trennung hat die Zusammensetzung der Gruppe stark verändert. Das Gerüst blieb bestehen, ein Großteil des aktiven Kerns wollte gemeinsam weitermachen und so haben wir einen neuen, aber doch gleichen Namen gewählt. In der französischen Jugendsprache gibt es ein Phänomen namens Verlan, in dem die Silben der Wörter umgedreht werden. Aus Racaille wurde somit Caillera. Auf diese Weise können wir die Veränderung der Gruppe auch nach außen deutlich machen.
Faszination Fankurve: Wie ist Eurer Verhältnis zu den Menschen, die der Gruppe RV angehörten, heute aber nicht bei Caillera organisiert sind?
Caillera: Sehr unterschiedlich, es kommt auf die jeweiligen Einzelpersonen an.
Faszination Fankurve: Wie würdet Ihr die Mentalität von Caillera beschreiben und was unterscheidet Euch von anderen Ultras?
Caillera: Allgemein kann gesagt werden, dass wir eine Ultràgruppe mit politischem Anspruch sind. Neben einem möglichst kreativen und ausdauernden Support befassen wir uns mit (fan)politisch relevanten Themen und setzen uns somit beispielsweise gegen Diskriminierung in der Kurve ein.
Interessant ist sicherlich auch, dass trotz einer verhältnismäßig geringen Anzahl an Mitgliedern die Altersspanne breit gefächert ist. Somit können wir trotz des Daseins als neue Gruppe oftmals aus einem gewissen Erfahrungsschatz profitieren. Gleichzeitig konnten wir aber auch viele junge Menschen für uns gewinnen, die Bock auf unsere Gruppe und unsere Auffassung von Ultrà haben.
Faszination Fankurve: Welche Kontakte und Freundschaften bestehen von Eurer Seite zu anderen Vereinen?
Caillera: Wir pflegen keine traditionellen Gruppenfreundschaften, aber es gibt einen regen Austausch zu den Gruppen, die ähnliche Vorstellungen von Fußball haben, weshalb wir auch häufig Gäste begrüßen dürfen. Das Reisen und der Austausch mit anderen Ultras ist sicherlich eine der spannendsten Sachen von Ultrà. Wenn sich die Möglichkeit ergibt, versuchen wir das wahrzunehmen und insbesondere den Jüngeren mitzugeben.
Aktion von Caillera beim Spiel gegen Dortmund
Bild: caillera.net
Faszination Fankurve: Die Gruppe Caillera engagiert sich stark im Bündnis aktiver Fußballfans. Welche Ziele verfolgt ihr mit der dortigen Bündnisarbeit und warum seid ihr nicht in anderen Fanbündnissen und Kampagnen organisiert?
Caillera: Bündnisarbeit ist grundsätzlich eine positive Sache. Wir haben aber mit vielen Bündnissen ein Problem, weil dort Gruppen beteiligt sind, die in ihren Grundwerten inakzeptabel sind. B.A.F.F. bietet einen Rahmen für organisierte Fans, die keinen Bock auf Kooperation mit rechtsoffenen Gruppen haben.
Die Ziele, die wir mit B.A.F.F. verfolgen, sind wohl die klassischen Ziele von Bündnisarbeit: Durch Vernetzung, Austausch und Organisation gemeinsam fanpolitisch handeln können. Nebenbei profitieren wir natürlich auch von der Erfahrung anderer und bauen ein wertvolles Netzwerk auf.
Der generelle Trend geht aber weg von stabilen Bündnissen. Auch beim Fußball waren mit 12:12, Kein Zwanni und Pyrotechnik legalisieren zuletzt drei Projektbündnisse erfolgreich, die sich aber allesamt leider kaum bis gar nicht von rechten Fanströmungen abgrenzten und somit rechten Ultràgruppen wie den Desperados Dortmund oder der Karlsbande Aachen eine Plattform boten. Natürlich waren sie für uns deshalb nicht tragbar. Wenn die nächste Repressionswelle anrollt, wird es wahrscheinlich wieder auf so etwas hinauslaufen. Da es keine von Erfolg gekrönten Gespräche mit den Verbänden gibt, sind nachhaltige Bündnisse nicht unbedingt gefragt.
Caillera möchte nicht mit jeder Ultràgruppe kooperieren
Bild: caillera.net
Faszination Fankurve: Über ein Jahrzehnt wurde Werder Bremen von Trainer Thomas Schaaf geprägt. Wie blickt Ihr auf diese Zeit zurück?
Caillera: Als Gruppe haben wir keine wirkliche Position dazu, aber hier ein bisschen was: Es war eine emotionale Zeit, die den ganzen Verein maßgeblich geprägt hat. Wir wollen das gerne wieder erleben. Europacup ist schon geiler als Abstiegskampf.
Thomas hat zwar nie den Kontakt zu uns gesucht, war aber für ein 5-Minuten-Gespräch immer zu haben. Es geht bei ihm allerdings rein um den Fußball, Fankultur ist ihm eher fremd. Teilweise hat er auch bestimmte Vorstellungen, die sich nicht zwangsläufig mit unseren decken. Er ist mehr Profi im Geschäft, als viele Leute glauben wollen.
Faszination Fankurve: Wie ist das Verhältnis der Fanszene zum Verein zu beschreiben, gibt es einen regelmäßigen Austausch?
Caillera: Der lokal häufig zitierte Fanbeirat regelt die Kommunikation zwischen Ultras, Fanclubs, Fanprojekt, Fanbetreuung, Rollstuhlfahrer*innen und Geschäftsführung. Es wird dort nichts beschlossen, aber viel geredet – dies ist ein Quantensprung zur Arbeit davor.
Außerdem pflegen wir den kurzen Draht zur Fanbetreuung, was ebenfalls einen positiven Einfluss auf das Verhältnis zum Verein hat.
Insgesamt gilt, dass wir mit Klaus-Dieter Fischer einen sehr fitten Präsidenten haben, mit dem wir in den meisten Fällen auf eine Linie kommen. Natürlich gilt immer, dass die Ziele von uns und dem Verein nur selten gleich sind. Wir müssen immer raussuchen, was für beide Seiten funktioniert.
Caillera Schriftzug am Weserstadion
Bild: caillera.net
Faszination Fankurve: Als einer der wenigen Ausnahmen in Deutschland trägt das Weserstadion noch seinen traditionellen Namen. Wird es auch in Zukunft so bleiben und was tut Ihr dafür den Namen zu schützen?
Caillera: Der Name ist bis 2018 verkauft. Wenn ihr das Weserstadion irgendwo seht (z.B. Werbung), hat jemand dafür bezahlt. Das bringt leider weniger Geld und deshalb kommt ein Verkaufsgedanke immer wieder auf. Sollte der Name verkauft werden, wird Werder davon allerdings nichts haben. Dies ist wahrscheinlich auch der Grund, weshalb das Stadion immer noch seinen historischen Namen trägt.
Das Stadion gehört der Bremer Weserstadion GmbH und damit zu je 50% der Stadt und dem Verein, das Geld fließt also an die GmbH. Es müsste dann noch mal getrickst werden, um die halbe Summe auch in den Verein bekommen zu können. Die andere Hälfte würde dann an die Stadt fließen.
Zurzeit sind wir natürlich alarmiert durch Pressemeldungen und schauen uns diese Entwicklung an, aktiv werden wir derzeit aber noch nicht. Auch zu diesem Thema stecken wir jederzeit mit dem Verein in Gesprächen.
Die derzeitige Lösung entstand damals übrigens aus den Aktivitäten der AG Pro Weserstadion. (Faszination Fankurve, 30.08.2013)
Hier geht es zum zweiten Teil des Interviews.
Bild: caillera.net
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Bild: caillera.net
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