„Polizisten fehlt es teilweise an der Kenntnis“

Faszination Fankurve 22.06.2014 0 Kommentare

Foto: Coloniacs.com

Faszination Fankurve sprach mit Dominik Hoffmeyer, dem Leiter Fanangelegenheiten bei Fortuna Düsseldorf, über den Dialog zwischen Verein und Fanszene, warum die Fanszenen beim Thema Pyrotechnik schon mal weiter waren und über Polizisten, die nicht wissen was ein Fanbeauftragter macht.

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Faszination Fankurve: Hat sich bei der Mitnahme von Fanutensilien in Ihrem Verein etwas geändert?
Dominik Hoffmeyer: Nein, wir erlauben im Gastbereich weiterhin bis zu 5 Trommeln (einsehbar, unten offen), 25 Doppelhalter und unbegrenzt kleine Fahnen, dazu maximal 12 Schwenkfahnen und Megaphone (nach Absprache auch 2-3). Grundsätzlich ist Konfetti bei uns verboten, da es bei den wandelbaren Stehplätzen zu Problemen führt. Choreografien und Spruchbänder sollten eine Woche vor dem Spiel bei uns angemeldet sein und die Choreos aus B1-Material bestehen.

Faszination Fankurve: Ein Fanthema der letzten Zeit ist der Anstieg bei Eintrittspreisen vor allem für Gästesektoren. Sehen Sie das als echtes Problem oder ist Fußball in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern immer noch mehr als bezahlbar?
Hoffmeyer: Die Eintrittspreise sind natürlich ein wichtiges Thema. Die Sozialverträglichkeit und das Gleichgewicht für Auswärtsfahrer sind wichtig. Dieses Bewusstsein ist immer mehr nicht nur bei Fans, sondern auch bei den Vereinen angekommen, damit sehe ich Deutschland insgesamt auf einem guten Weg.

Faszination Fankurve: Oftmals wird von Außenstehenden wahrgenommen, dass der Kontakt zwischen Verein und der Fanszene immer problematischer wird bzw. zum Teil nicht mehr existent ist. Wie sehen Sie das allgemein und vor allem im Hinblick auf Ihren Verein?
Hoffmeyer: Es ist sehr schwierig einen dauerhaften und produktiven Dialog über alle Meinungsverschiedenheiten hinweg zu etablieren. Wir versuchen bei Fortuna möglichst viele Gesprächsangebote zu machen und den Dialog auch bei kritischen Themen zu suchen. Dies betrifft nicht nur die (gewählten) Gremien des Vereins, sondern auch die Mitarbeiter im Ticketing, Merchandise, Marketing oder Organisation und Sicherheit. Unterschiedliche Ansichten und Meinungen wird es auch trotz eines etablierten Dialogs geben, mit denen man dann möglichst konstruktiv umgehen muss. Einen kompletten Abbruch des Dialogs, halte ich sowohl für die Fans und den Verein für problematisch und gefährlich.

Faszination Fankurve: Letztes Jahr haben die Clubs der 1 bis 3. Liga Strafen in Höhe von ca. 1,7 Millionen Euro nach Fanaktionen zahlen müssen. Die Vereine reagieren unterschiedlich, immer mehr versuchen die Strafe auf die Verursacher zu übertragen. Gibt es dazu einen „Königsweg“?
Hoffmeyer: Nein, einen Königsweg im Umgang mit Strafen gibt es nicht. Vereine, Fanszenen und Vorfälle sind zu unterschiedlich. Jeder Verein muss hier seinen eigenen Weg finden.

Faszination Fankurve: Die Gewerkschaft der Polizei forderte zuletzt, dass alle Vereine von der ersten bis zur fünften Liga Fanbeauftragte einrichten und entsprechend ausstatten. Was halten Sie von dieser Forderung?
Hoffmeyer: Bei den sehr verschiedenen Strukturen der Vereine und ihren sehr unterschiedlichen Zuschauerzahlen, dürfte diese Forderung grade in der 4. und 5. Liga teilweise schwierig sein. Natürlich ist es wünschenswert, wenn jeder Verein zumindest einen ehrenamtlichen Fanbeauftragten oder, wenn dafür nicht der Bedarf besteht oder sich kein Freiwilliger findet, zumindest einen Ansprechpartner benennt. Bei Vereinen wie Rot-Weiss Essen oder Uerdingen ist eine solche Position sicherlich sinnvoller als bei vielen kleineren Vereinen. Eine Hauptamtlichkeit ist in der dritten Liga sicherlich wünschenswert, bei der finanziellen Situation vieler Vereine und den grundsätzlich viel kleineren Budgets aber verständlicherweise schwierig. In den ersten beiden Ligen ist diese Forderung bereits umgesetzt, allerdings fehlt es teilweise an der Kenntnis bei den Polizisten in den Hundertschaften was ein Fanbeauftragter eigentlich ist oder macht.

Faszination Fankurve: Beim Revierderby und beim Spiel Kaiserslautern gegen Dynamo Dresden waren zuletzt weniger als 10 Prozent Gästefans erlaubt. Dies ist seit dem 12.12.2012 erlaubt. Spielt ihr Verein mit dem Gedanken bei manchen Spielen weniger Gästefans zuzulassen?
Hoffmeyer: Nein, eine solche Planung gibt es bei uns nicht.

Faszination Fankurve: Die Mehrheit der Strafen hat mit dem Einsatz von Pyrotechnik zu tun. Seit Jahren ist der Einsatz von Pyro das zentrale Thema, ohne dass sich etwas bewegt. Lässt sich überhaupt eine Lösung finden?
Hoffmeyer: Derzeit ist eine Lösung sehr unwahrscheinlich. Fangruppen die 90 Minuten vermummt im Block stehen und durchgehend zünden oder andere Tribünen oder den Platz bewerfen sind relativ weit von dem einst vorgestellten kontrollierten Zünden entfernt. Dieses Verhalten kann keine Grundlage für Gespräche sein, zu denen die Verbände derzeit auch nicht bereit sind.

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Beim rheinischen Derby setzten bei Fanszenen Pyrotechnik nicht nur als optisches Stilmittel ein.
Bild: Coloniacs.com

Faszination Fankurve: Was waren die relevanten Fanthemen in Ihrem Verein/Fanszene in der vergangenen Saison?
Hoffmeyer: Gewalt, Pyrotechnik und interne Konflikte in einer stark ausdifferenzierten Fanszene.

Faszination Fankurve: Im März 2010 wandten sich die Fanbeauftragten nach einem Treffen in Bochum in einem offenen Brief an die Fanszene. Damals hieß es in dem Brief: „Pyrotechnik, zunehmende Gewalt, gegenseitiges Berauben und das anschließende Präsentieren der geraubten Fanartikel sind Fehlentwicklungen, die wir nicht wünschen und die uns zunehmend Sorge bereiten. Vor allem Teile der Ultra-Szenen schaden dadurch sich selbst und am Ende allen Fans. Ihr seid verantwortlich für euch, eure Fanszene und die Fankultur, die ihr am Leben erhalten wollt. Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie sich die Fankultur von innen heraus selbst zerstört.“ Hat sich die Situation seit damals verbessert?
Hoffmeyer: Ob die Fanszenen ein gesteigertes Bewusstsein für ihre eigene Verantwortung für Fankultur, Fanszenen und sich selbst haben, sollte jede Fanszene für sich entscheiden. Viele der angesprochenen Phänomene begegnen einem sicherlich auch 2014 noch. (Faszination Fankurve, 22.06.2014)

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Beim rheinischen Derby setzten bei Fanszenen Pyrotechnik nicht nur als optisches Stilmittel ein.
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