„Nur ein Boykott kommt in Frage“

Faszination Fankurve 25.07.2014 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Im Interview mit Faszination Fankurve spricht die Crew Eleven über den Boykott des RB Leipzig Spiels, das Verhältnis zwischen Ultras und Polizei in Aalen, die rechte Vergangenheit der Aalener Fanszene und des dortigen Vorsängers und die Entwicklung der Ultràszene in Aalen.

Faszination Fankurve: Am ersten Spieltag der kommenden Saison spielt der VfR Aalen bei RB Leipzig. Die Fans von Eintracht Braunschweig, die im September in Leipzig spielen, rufen zum Boykott des Spiels auf. Werdet Ihr nach Leipzig fahren?
Crew Eleven: Nein, wir werden nicht nach Leipzig fahren. Für uns ist das Fass endgültig übergelaufen. Unserer Meinung nach kommt nur ein Boykott in Frage, da Spruchbänder und öffentliche Statements nur bis zu einem gewissen Grad ein probates Mittel sind und dieser Grad unserer Meinung nach bereits überschritten wurde. Nichtsdestotrotz werden wir weiterhin versuchen die Öffentlichkeit bestmöglich zum Thema Red Bull zu sensibilisieren. Unser genauer Standpunkt zum Spiel bei RB Leipzig kann auf unserem Blog nachgelesen werden.

Faszination Fankurve: In der vergangenen Saison habt Ihr häufiger Spruchbänder gegen Stadionverbote gezeigt. Inwiefern seid Ihr davon betroffen und was haltet ihr von Stadionverboten?
Crew Eleven: Wir halten überhaupt nichts von Stadionverboten. Polizei und DFB agieren völlig willkürlich und haben sich so ein Ersatzstrafrecht geschaffen, welches nicht an rechtsstaatliche Grundsätze gebunden ist. Geradezu grotesk ist es, wenn ein Staatsorgan wie die Polizei sich über geltendes Recht hinwegsetzt und vehement auf die Vergabe von Stadionverboten auf Verdacht pocht. Bezeichnend ist daher auch die immer wiederkehrende Forderung des Aalener Einsatzleiters nach Sippenhaft für die gesamte Ultraszene. Gerade weil wir dies energisch und offensiv anprangern hat sich das Verhältnis zwischen Ultras und Polizei in Aalen derart verschlechtert und zugespitzt. Dank einer stetigen Sensibilisierung durchschauen immer mehr Leute dieses miese Intrigenspiel, selbst der Verein tanzt nicht mehr nach der Pfeife der Polizei. Aktuell haben wir rund 30 Stadionverbote zu beklagen, wobei auch hier die Vergabepraxis mehr als willkürlich geschah. Der Großteil darf nun auf die Einstellung der laufenden Ermittlungsverfahren warten, bis die Verbote wieder aufgehoben werden.

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Pyroaktion der Aalener-Fans in Fürth.
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Faszination Fankurve: In der Vergangenheit wurde Eure Gruppen in Zusammenhang mit Rechtsextremen genannt. In diesem Zusammenhang wurde auch viel über Euren Vorsänger gesprochen. Wie steht es mit der Politik bei der Crew Eleven und Eurem Vorsänger wirklich?
Crew Eleven: Zunächst einmal muss man offen zugeben, dass die Vergangenheit der Aalener Fanszene diesbezüglich alles andere als ruhmreich ist. Grundsätzlich ist unsere Gruppe gegen jedwede Links-Rechts Politik im Stadion und toleriert jeden im Fanblock, egal welcher Gesinnung er entspricht, so lange er diese für sich behält und sein Herz dem VfR gehört. Dies war in der Vergangenheit, so ehrlich und selbstkritisch muss man sein, nicht immer der Fall. Vor der Gründung unserer Gruppe, als die Aalener Fanszene noch relativ unorganisiert war und sich lediglich ein kleiner Kern von 30 Leuten bei Heimspielen im Fanblock tummelte, waren darunter auch eine handvoll Rechter, die mitunter auch offensiv für ihre Sache warben. Nach und nach erkannte auch der Verein das Problem und schob dem einen Riegel vor. Auch innerhalb der Fanszene wurde das Thema nun auf die Agenda gesetzt und der Konsens vereinbart, dass Rechte Ansichten im Stadion nichts verloren haben. Damit waren natürlich nicht alle einverstanden und so verschwanden diese Leute glücklicherweise recht schnell. Eben in diesem Dunstkreis bewegte sich auch unser Vorsänger, der sich allerdings für den richtigen Weg entschieden hat. Inzwischen gibt es keine Grundlage mehr die Aalener Fanszene im Zusammenhang mit Rechtsextremismus zu nennen. Unter anderem wurde in Kooperation mit der Fanbetruung ein Kurvenleitbild erarbeitet, welches als Orientierung für das Verhalten innerhalb der Kurve dienen soll. In diesem wurde beispielsweise das Verbot von Kleidungsstücken der Marke Thor Steinar festgehalten. Unsere Gruppe ist ein Spiegelbild der Gesellschaft und die Herkunft eines Fans spielt hierbei keine Rolle. Allgemein haben mittlerweile auch viele Menschen mit Migrationshintergrund eine Heimat in unserer Kurve gefunden, der gemeinsame Nenner ist hierbei unser Verein und sonst nichts. Inzwischen sind wir das Thema Politik einfach leid und haben uns auch schon oft dazu geäußert. Es ist einfach jemanden als Nazi zu verschreien, aber viel schwieriger einen Weg der Besserung auch zu erkennen. Wir würden uns auch nie als unpolitisch bezeichnen, denn dafür ist der Fußball mit all seinen Facetten inzwischen ein viel zu großes Politikum, jedoch hat Parteipolitik egal in welche Richtung sie schlägt bei uns nichts zu suchen!

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Gegen den Aalener-Vorsänger wurden immer wieder Vorwürfe laut.
Bild: www.forev.de

Faszination Fankurve: Was waren in den beiden vergangenen Zweitligasaisons Eure Highlights?
Crew Eleven: Natürlich gab es viele besondere Spiele in diesen zwei Jahren, aber für alle beteiligten war wohl der 4:1 Auswärtssieg in Duisburg, beim ersten Zweitligaspiel unserer Geschichte der emotionalste Moment. Ein guter Support der mitgereisten Aalener, sowie eine fulminant aufspielende Mannschaft, die sich mit diesem Sieg bei der Zweitligapremiere an die Tabellenspitze katapultierte, machten diesen Tag unvergesslich.

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Pyroaktion der Aalener-Fans in Fürth.<br />
<p><strong>Faszination Fankurve:</strong> Auf welche Spiele freut Ihr euch in der kommenden Saison am meisten?<br /><strong>Crew Eleven:</strong> Die Vorfreude auf das dritte Zweitligajahr ist im Allgemeinen besonders groß. Es macht einfach Spaß mitanzusehen, was unser Verein mit inzwischen so geringen finanziellen Mitteln erreicht hat und wir sind überzeugt, dass wir auch im kommenden Jahr den Klassenerhalt packen. Wir Fans wollen unseren Teil dazu beitragen. Jedes Spiel ist ein Spiel um den Klassenerhalt, da machen wir in puncto Wichtigkeit keine Abstriche. Aus fantechnischer Sicht gibt es natürlich schon das ein oder andere Spiel, welches auch stärker gewichtet wird.</p>
<p class=In Paderborn feierten die Aalener Fans den Klassenerhalt.
Bild: www.forev.de

Faszination Fankurve: Wie hat sich Fanszene in Aalen seit dem Aufstieg in die zweite Bundesliga entwickelt?
Crew Eleven: Der Trend zeigt ganz klar nach oben, trotz der immer wiederkehrenden Rückschläge durch Repressionen seitens der Polizei. Allgemein kann man das natürlich an den Zahlen der aktiven Supporter festmachen. Doch im Grunde hat sich die Aalener Fanszene in der vergangen Saison durch Solidarität und Zusammenhalt ausgezeichnet. Die Strukturen wurden professioneller, vieles läuft nun organisierter ab und man hat es geschafft, bei Heimspielen eine Tribüne mit teilweise 400 bis 500 Leuten zu vereinen und zum Support zu animieren. Die Wahrnehmung innerhalb des Stadions und bei den normalen Zuschauern ist eine ganz andere. Auch für die Mannschaft ist man zu einem festen Rückhalt geworden, der in ihr immer wieder die letzten Prozente rauskitzelt und zu Höchstleistungen antreibt. Die Subkultur Ultra konnte man für Jugendliche attraktiv gestalten und so wächst auch unser Förderkreis stetig weiter. Die Fanszene ist mittlerweile durchaus auch in der Lage, spontan auf Repressionen zu reagieren und die Polizei hat bei weitem nicht mehr die Möglichkeiten wie noch vor einigen Jahren. Des Weiteren wurde ein eigener Rechtsbeistand für die Fanszene engagiert und so ist man mittlerweile gut aufgestellt im Kampf gegen die alltäglichen Probleme. Als Fazit kann man also eine stetige Entwicklung nach oben beobachten. (Faszination Fankurve, 25.07.2014)

Gegen den Aalener-Vorsänger wurden immer wieder Vorwürfe laut.<br />Bild: www.forev.de”><figcaption>Gegen den Aalener-Vorsänger wurden immer wieder Vorwürfe laut.<br />Bild: www.forev.de</figcaption></figure>
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