„Nur ein Lottogewinn kann helfen“

Faszination Fankurve 12.09.2014 0 Kommentare

Foto: Eintracht-Online.net

Die Nordwestkurve Frankfurt ruft für Morgen zum Lottospielen auf, um den Stadionnamen zurückkaufen zu können (Faszination Fankurve berichtete). Wir sprachen mit Dominik Ziegra, Sprecher der Nordwestkurve, über die morgige Aktion, den modernen Fußball und den Neid auf Kaiserslautern.

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Faszination Fankurve: Was sind Eure Pläne für Samstag?
Dominik Ziegra: Wir treffen uns ab 16 Uhr an der Bockenheimer Warte, um gemeinsam Lotto zu spielen. Es gibt dort einen Kiosk mit Lottoannahmestelle, der Besitzer ist informiert und vorbereitet und wir werden bis zur Auslosung versuchen möglichst viele Lottoscheine einzusammeln. Dabei geht es natürlich darum auch dort ein Zeichen zu setzen, dass wir weiterhin Sponsorennamen für unser Stadion ablehnen.
 
Faszination Fankurve: Wie seid Ihr auf die Idee mit dem Aufruf zum Lottospielen gekommen?
Dominik Ziegra: Es ist eigentlich eine logische Konsequenz, wenn man sich fragt, ob es realistische Chancen gibt, dass unser Stadion wieder seinen Namen trägt. Schnell muss man resigniert feststellen, dass dort eigentlich nur ein Lottogewinn helfen kann, man kann dann tatsächlich resignieren, oder man sagt: „Gut, dann gewinnen wir eben im Lotto!“
 
Faszination Fankurve: Glaubt Ihr wirklich an einen Gewinn?
Dominik Ziegra: Wenn die Gewinnwahrscheinlichkeit von knapp 1:140 Millionen realistisch im Zusammenhang mit unserer Aktion bewerten, kommen wir auf eine Gewinnwahrscheinlichkeit von geringfügig unter 100 Prozent, es könnte also leider schon passieren, dass es nicht klappt.
 
Faszination Fankurve: Wie würdet Ihr das Stadion nennen, wenn das Geld reichen sollte? Wieder Waldstadion?
Dominik Ziegra: Wie sonst?
 

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Die Fans würden das Stadion wieder Waldstadion nennen. Aber das machen viele ja schon heute.
Bild: Eintracht-Online.net

Faszination Fankurve: Falls der Gewinn nicht ausreicht, wollt ihr die Jugend von Eintracht Frankfurt unterstützen. Wird die Jugendarbeit für Vereine, wie die Eintracht, Eurer Meinung nach immer wichtiger im Business Bundesliga?
Dominik Ziegra: Es ist zumindest nachhaltiger, wenn man in die Jugendarbeit investiert. Wie der Fußball heutzutage tickt, wissen wir alle. Jeder Spieler läuft mit seinem Berater durch die Landschaft und beharrt bei Mittelfeldmannschaften wie unserer auf Ausstiegsklauseln. Die Chance auf einen Schlag weiter nach oben vorzustoßen geht eigentlich fast nur noch über Talente, wenn sie einem nicht schon mit gefühlten elf Jahren von irgendeinem Plastikverein weggekauft werden, weil der Vater des Spielers dort dann zwei Stunden in der Woche hochbezahlt Rasenmähen darf.
 
Faszination Fankurve: Und wenn sechs Richtige plus Zusatzzahl dabei sind. Wird es reichen?
Dominik Ziegra: Nein, der Jackpot steht bei sieben Millionen Euro. Einen Zehn-Jahresvertrag bekommen wir damit nicht, wir sind da aber flexibel. Wie das beim Stadionbetreiber aussieht, das wird sich zeigen. Aber wir werden im Zweifelsfall auch ein Angebot für die Namensrechte bei nur einem Heimspiel abgeben.
 
Faszination Fankurve: Fast überall in der Bundesliga wurden die Namensrechte der Stadien verkauft. Blickt Ihr neidisch in die Pfalz? Beim 1. FC Kaiserslautern ist man den Schritt noch nicht gegangen.
Dominik Ziegra: Wenn ich öffentlich äußere, dass ich neidisch auf den 1.FC Kaiserslautern blicke, werde ich in Frankfurt wahrscheinlich schief angeschaut, wir sind ja nicht gerade gut befreundet. Aber natürlich ist es begrüßenswert, wenn eine Stadt oder ein Verein den möglichen Geldbetrag unbeachtet lässt und den traditionellen Stadionnamen auch als wertvolles Markenzeichen begreift.
 

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Trotz Rivalität: Begrüßenswert was beim Stadionnamen in Kaiserslautern läuft
Bild: Eintracht-Online.net

Faszination Fankurve: Ist die Entwicklung des „modernen Fußballs“ überhaupt noch aufzuhalten, oder muss Eintracht Frankfurt nachziehen, wenn andere Bundesligisten einen bestimmen Weg einschlagen, um wettbewerbsfähig zu bleiben?
Dominik Ziegra: Aufzuhalten sind diese Entwicklungen wahrscheinlich nicht mehr, wir sehen ja aktuell, dass leider auch reine Marketingvereine ihre Zuschauer haben, weil diese eben einfach hochklassigen Fußball sehen wollen und sich nicht dafür interessieren, dass sie sogar noch Eintritt zahlen, um Werbung für ein Getränk zu machen.
Leider fehlt den Fußballverbänden der Wille wirklich strikte Regelungen zum Financial Fair Play zu schaffen und konsequent anzuwenden, auch bei den internationalen Spitzenvereinen. Die Traditionsvereine müssen sich klar zu 50+1 bekennen und realisieren, dass ein Anteilsverkauf an Investoren einem kurzfristig vielleicht Möglichkeiten gibt, aber davon hat man in drei Jahre nichts mehr. Mit schuldenfreiem, nachhaltigem Wirtschaften fährt man langfristig am besten, da kann man wirklich froh sein, wie es in Frankfurt läuft. Der Blick nach England zeigt ja, dass Geld nicht unbedingt Titel holt.
 
Faszination Fankurve: Ab wann wäre Eurer Meinung nach der Punkt erreicht, an dem die Kommerzialisierung gesiegt hat und Ihr nicht mehr in Stadion gehen würdet?
Dominik Ziegra: Das ist schwer zu sagen, da kann ich auch nur für mich persönlich sprechen. Fällt 50+1 und würde meine Eintracht an einen Investor verkauft, wäre das wohl der Punkt, an dem ich nicht mehr ins Stadion gehen würde. Aktuell gibt es ja die Beispiele in Hamburg und Hannover, wo Teile der Fanszene diesen Punkt als erreicht ansehen und wegbleiben.
Kommen weitere Plastikvereine in die Bundesliga und es spielen zehn und mehr „Plastikvereine“ gegeneinander, fallen auch immer einige hinten runter und kommen nicht an die internationalen Geldquellen. Wird die Liga zu seelenlos, bleibt zu hoffen, dass es dem Eventpublikum irgendwann auch zu langweilig wird und das System implodiert. Leider ist der Fußball zu populär, um auszuschließen, dass es selbst dann noch läuft.
 
Faszination Fankurve: Keine Angst, dass das Stadion bald LOTTO-Hessen Arena heißt, wenn Euer Aufruf hohe Wellen schlägt?
Dominik Ziegra: Ich hoffe es natürlich nicht. Vielleicht schaffen wir es ja auch, dass sich der Potenzielle Namensträger denkt, wenn das ganze Rhein-Main-Gebiet sowieso Waldstadion sagt, dann weckt das sogar negative Empfindungen zum offiziellen Stadionnamen, also zu seinem Unternehmensnamen. Das kehrt den Werbeeffekt ja sogar ins Negative um. Er könnte sich beispielsweise überlegen, dass er das Stadion statt XY-Arena eben XY-Waldstadion nennt, das wäre zumindest ein Anfang.
Für uns ist es wichtig mit der Aktion RECLAIM THE NAME zu zeigen, dass es eben das Waldstadion ist und bleibt. Wir wollen – ironischer Weise durch Lottospielen – zeigen, dass ein Stadionname eben keine beliebige Handelsware und auch kein Lotteriespiel ist. (Faszination Fankurve, 12.09.2014)

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Die Fans würden das Stadion wieder Waldstadion nennen. Aber das machen viele ja schon heute.
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Trotz Rivalität: Begrüßenswert was beim Stadionnamen in Kaiserslautern läuft
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