"Wir stehen klar zu den Aktionen"

Faszination Fankurve 21.05.2015 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Beim Heimspiel von Erzgebirge Aue gegen RB Leipzig wurden im Fanblock der Aue-Fans Plakate mit Nazi-Vergleichen gezeigt. Faszination Fankurve sprach mit Jörg von der Erzbrigade über die gezeigten Sprüche, die Folgen und wie die Fans die Strafe zusammen bekommen wollen.

Faszination Fankurve: Die Plakate im Fanblock von Aue lösten nach dem Heimspiel gegen RB Leiozig ein großes Medienecho aus. Habt ihr damit gerechnet?
Erzbrigade: Nein, nicht mit diesem Ausmaß. Gerade die regionalen Gazetten und der MDR haben sich darum gerissen. Natürlich war es beabsichtigt das Thema RB und seine Machenschaften in einer breiten Öffentlichkeit zu diskutieren. Allerdings wurde anstatt über die Message nachzudenken, die bekannte Nazikeule rausgeholt, obwohl das nicht im Entferntesten in unserem Sinne war und bei genauer Betrachtung völlig absurd ist. Zumal es uns zuwieder ist, sich politisch in eine extremistische Richtung zu positionieren.

Faszination Fankurve: Was war eure Intention hinter den Plakaten und wie steht ihr heute zu der Aktion? Würdet ihr die gleiche Aktion heute wieder machen?
Erzbrigade: Eins vorneweg: Wir stehen klar zu den Aktionen. Uns ist durchaus bewusst, dass Mateschitz wohl kein Anhänger des Dritten Reichs ist und nicht mal im Ansatz so viel Blut an den Händen hat, wie die aktiven Nazis. Unsere Intention war einfach zu zeigen, was RBL ist: Ein diktatorisch aufgezogenes Konstrukt. Dahinter steht ein „Führer“ und seine Riege und pumpt Unmengen an Geld in das Konstrukt für den Werbeeffekt der Marke Red Bull. Im Zentralstadion jubelt ihnen das Volk zu und findet blind alles gut, was passiert. Durch die Überspitzung und karikative Darstellung sollte darauf aufmerksam gemacht werden. Sicherlich würden wir es wieder tun, sind ja „Überzeugungstäter“

Faszination Fankurve: Wurde strafrechtlich irgendjemand von Euch wegen der Plakate belangt?
Erzbrigade: Nach unserem Kenntnisstand wurde überhaupt niemand strafrechtlich belangt. Es gab eingeleitete Verfahren wegen „Zeigen von verfassungsfeindlichen Kennzeichen“. Diese wurden alle eingestellt, weil keine strafbare Handlung vorlag, da schlichtweg keine verfassungswidrigen Symbole verwendet wurden. So einfach ist das. 
Eine kleine Kuriosität noch am Rande: Es gab ebenfalls ein eingeleitetes Verfahren wegen „versuchter, gefährlicher Körperverletzung“. Grund war der Wurf eines Schneeballs. Auch in diesem Fall wurden sämtliche Ermittlungen eingestellt. Ohne den überzogenen medialen Druck hätte dies niemand interessiert, allerdings sah sich die Polizei, ebenso der Staatsschutz wohl gezwungen auf der Pressekonferenz irgendetwas präsentieren zu müssen, unabhängig wie absurd es ist.

Faszination Fankurve: Führte die mediale Berichterstattung über das Thema zu Problemen Eurer Mitglieder im privaten Umfeld?
Erzbrigade: Das kommt darauf an, inwieweit ihr Probleme definiert. Den ein oder anderen dummen Spruch gab es sicherlich von Familie, Bekannten und Arbeitskollegen. Direkt Probleme gab es allerdings nicht, auch wenn wenige Tage danach mit Hausdurchsuchungen gerechnet wurde. Wäre ja ein toller Aufhänger gewesen, insbesondere in der Berichterstattung, wenn der Staatsschutz paar Schlüpfer, Halstücher und Aufkleber präsentieren kann. 
Auswirkung auf den Stadionbesuch hatte die Berichterstattung schon. So wurden drei Stadionverbote verhängt. Allerdings aus unterschiedlichen Gründen. Richtig Pech haben zwei der drei Personen auf dem Zaun gehabt, welche nach dem Spiel das Banner mit dem Kopf in der Hand hatten. Hier wurde keine Sau durchs Dorf getrieben, sondern junge Leute durch die Presse. Die letzte Eskalationsstufe wäre eingetreten, wenn Boulevard & Co. noch Kopfgeld ausgesetzt hätten.

Faszination Fankurve: Unter anderem wegen dieser Aktionen wurde Euer Verein vom DFB zu einer Geldstrafe von 25.000 Euro verurteilt. Ist diese Strafe in Euren Augen gerechtfertigt?
Erzbrigade: Die Frage erübrigt sich: Natürlich nicht. Es gibt keine strafrelevanten Handlungen, also ist die Strafe aus dem Nichts gegriffen. Letztlich urteilte der DFB über Moral oder auch Geschmack. Das zeigt aber das generelle Problem der DFB Sportgerichtsbarkeit. Hier gibt es mehrere starke Kritikpunkte. Zuerst natürlich die fehlende Transparenz. Für was hat ein Verein nun genau welche Strafe bekommen. Es gibt ja keinen Katalog, wo drin steht, dass eine Fackel 500 Euro, ein Rauchtopf 1.000 Euro kostet. Klar geht es immer um Einzelfallprüfung, wie genau der Einzelfall beurteilt wird, bleibt jedoch im Dunkeln. Die Begründungen sind sehr dürftig. Unabhängig von dem genannten Spiel, ist die fehlende Begründung aber auch ein Problem, um insbesondere mit jungen Leuten sozialpädagogisch weiter arbeiten zu können.
Der nächste Punkt ist die Parallelwelt. Für alles was auf den Zuschauerrängen der Stadien passiert, finden sich ausreichend  Paragrafen in den verschiedenen deutschen Rechtsordnungen. Es stellt sich die Frage, warum Vereine für keine Straftaten bzw. kleinen Ordnungswidrigkeiten tausende Euro bezahlen sollen. Letztlich will der DFB als Moralhüter auftreten. Fraglich ist, wie stark der DFB mit sich selber ins Gericht geht. Schauen wir uns die Vergabe der WM nach Katar an. Die herrschenden Arbeitsbedingungen sind definitiv kein Einzelfall mehr. Dennoch halten viele Funktionäre an dieser WM fest und bemühen sich eher scheinheilig ein paar Dinge anzustoßen. Stell dir mal vor, die Auer Vereinsführung hätte sich nach der RB Causa verhalten wie die drei berühmten Affen. Dann hätte der Baum gebrannt, aber richtig! Dabei will ich das gar nicht vergleichen, weil die Dimension von ein paar Spruchbändern und der Tod von Menschen schlicht nicht vergleichbar sind. 

Faszination Fankurve: Via Crowdfunding versucht ihr die Strafe nun von anderen Fans einzusammeln. Wie seid ihr auf die Idee gekommen und was hat es mit der Crowdfunding Kampagne genau auf sich?
Erzbrigade: Für uns steht Transparenz im Vordergrund. Hier geht es nicht um ein paar Euro Choreospende, sondern letztlich um 25.000 Euro. Für nicht Wenige im Erzgebirge mehr als ein Jahreslohn. Deshalb bietet Crowdfunding die perfekte Lösung: transparent, anerkannt und mit wenig Aufwand auch neben der Arbeit so zu betreiben, dass es ordentlich und gewissenhaft ist.
Gleichzeitig wissen wir, dass nicht nur wir als Erzbrigade so über die Aktionen und das Sportgericht denken. Viele Auer haben uns nach der Aktion keinen Vogel gezeigt, sondern uns ihre Unterstützung zugesagt. Um das zu bündeln und auch über einen längeren Zeitraum ist die Plattform natürlich Gold wert. Darüber hinaus gibt es weitere Aktionen, die noch in der Planung sind, allerdings erst demnächst veröffentlicht werden.
Prinzipiell kann Crowdfunding bei Strafen aber keine Alternative darstellen. Die einzige Lösung des Problems, wäre endlich mal die DFB Gerichte auf solide, demokratische Beine zu stellen. 

Faszination Fankurve: Sind Spenden von Fans anderer Vereine, die ein Zeichen gegen diese DFB-Strafe setzen wollen, bei Euch willkommen?
Erzbrigade: Natürlich. Gerne. Wenn ich das richtig überblickt habe, sind unter den ersten Spendern auch Fans anderer Vereine. (Faszination Fankurve, 21.05.2015)

Hier geht es zur Crowdfunding Kampagne der Erzbrigade. 

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