Im Bundestag wurde am Freitag u.a. über die bundesweite Datei „Gewalttäter Sport“ debattiert. Die Grünen forderten die Bundesregierung u.a. auf, die Stigmatisierung von Fußballfans aufzuheben und die Datei auf Fälle zu überprüfen, in denen Fans zu unrecht in dieser landeten.
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Bei aktiven Fans steht die Datei Gewalttäter Sport seit vielen Jahren in der Kritik.
Bild: www.ksc-suppurbia.de
„Für eine weltoffene und vielfältige Sport- und Fankultur – Bürgerrechte schützen, Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit effektiv bekämpfen, rechte Netzwerke aufdecken“, lautete der Antrag von Bündnis 90 / Die Grünen, über den am Freitag im Bundestag hitzig diskutiert wurde.
Laut dem Antrag sollten Personen, die nachweislich keine Straftaten begangen haben, aus der bundesweiten Datei gelöscht und Personen, die in der Datei geführt werden, informiert werden. Der Antrag der Grünen wurde mit Stimmen von CDU/CSU und SPD abgelehnt. Faszination Fankurve fasst die wichtigsten Zitate der Debatte zusammen. Zudem zeigen wir die gesamte Bundestagsdebatte im Video:
Frank Steffel (CDU/CSU):
"Zweitens: Sie formulieren – ich lese das einmal wörtlich vor Ultras in den Fankurven sind für eine bunte und lautstarke Fankultur verantwortlich und sind hingebungsvolle junge Menschen, die nicht selten laut stark für Toleranz und Vielfalt einstehen. Meine Damen und Herren, die Bilder, die ich von Ultras in den Fußballstadien habe, sind vielfach andere. Ich verstehe nicht, wie das zu der Überschrift Ihres Antrags passt. Das ist die Datei, in der Schwerstkriminelle aufgeführt sind, die in den Stadien Kinder und Jugendliche, friedliche Fans gefährden, die Pyro abschießen, die mit Gegenständen werfen und die unsere Polizeibeamten vor den Stadien und in den Stadien und auch die Sicherheitskräfte verprügeln. Und Sie wollen diese Datei abschaffen? Sie forderten auch jüngst im rot-rot-grünen Koalitionsvertrag hier in Berlin die Abschaffung der Datei, also nicht nur die schärfere Kontrolle, sondern die Abschaffung, und äußern ein schlimmes Misstrauen gegenüber den Sicherheitsbehörden; denn Sie erwecken den Eindruck, unsere Sicherheitsbehörden verfolgten Ultras. Meine Damen und Herren, anders wird ein Schuh draus: Die Ultras gefährden in den Stadien friedliebende Fans und sportbegeisterte Familien. Sie nennen Zahlen zu gewaltbereiten Personen und unterstellen, dass es hier einen Anstieg gebe. Die Zahlen in Ihrem eigenen Antrag sprechen eine andere Sprache Sowohl bei den gewaltbereiten Personen als auch bei den gewaltsuchenden Personen war in den letzten vier Jahren ein Rücklauf von 15 Prozent zu verzeichnen: bei den gewaltbereiten Personen von 4570 auf 3900, bei den gewaltsuchenden Personen von 1700 auf 1500. Ich sage nicht, dass damit alles gut ist. Ich sage aber ausdrücklich: Die Arbeit von Vereinen, die Arbeit von Fanprojekten, die Arbeit von Kommunalpolitikern und Landespolitikern und die Arbeit der Bundesregierung trägt hier Früchte. Die Zahl der gewaltbereiten Fans ist in den letzten Jahren Gott sei Dank zurückgegangen."



