Die aktive Fanszene des FC Erzgebirge Aue führte am Freitag beim Spiel gegen Kiel zum zweiten Mal in Folge einen Stimmungsboykott durch. Die Gründe für den jetzigen Boykott resultieren aus einem schleichenden Prozess, der vor zwei Jahren begann und immer weiter eskalierte.
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Beim Heimspiel gegen Kiel führten Erzgebirge Aue Fans einen Stimmungsboykott durch.
Bild: Calcio-Culinaria.de
So kam es seit dem Jahr 2005 in Aue zu monatlichen Treffen zwischen Fanvertretern und Vereinsvertretern von Erzgebirge Aue, die etwa ein Jahrzehnt lang produktiv verlaufen sein sollen. Im Juni 2015 kontaktierte der Verein die Fanszene mit der Idee, Erzgebirge Aue zukünftig stärker als „Kumpelverein“ darzustellen. Da die Fanszene diesen Slogan und ein entsprechendes Logo bereits seit drei Jahren nutzten, stieß der Vorschlag erst Mal auf positive Resonanz. Doch zu einem ersten Konflikt kam es, als der Verein sich das aus der Fanszene heraus entstandene Logo schützen ließ, ohne laut Angaben der Fanszene die Erfinder des Logos zu kontaktierten. Die Fanszene wirft dem Verein nun vor, den Slogan „Kumpelverein“ nur als Marketinginstrument benutzt und nie gelebt zu haben.
Auf Mitgliederversammlungen setzte sich der Konflikt zwischen Fanszene und Vereinsvertretern fort. Aus der aktiven Fanszene wird im Nachhinein kritisiert, dass Anträge auf der Mitgliederversammlung rechtswidrig abgeschmettert wurden. Um den Vereinsfrieden zu wahren sei die Fanszene jedoch nicht dagegen vorgegangen, was man heute anders machen würde. In der Sommerpause 2016 wurde dann der Sportdirektor bei Erzgebirge Aue entlassen, was die Fans des „Kumpelvereins“ erneut aufbrachte. Auf der folgenden Mitgliederversammlung sollen Kritiker als Denunzianten bezeichnet worden sein. Innerhalb der aktiven Fanszene ist man deswegen der Meinung, die Vereinsvertreter bei Erzgebirge Aue würden „schlampig“ und/oder „verlogen“ arbeiten oder man interessiere sich beim Verein einfach nicht für die Belange der Fanszene. Doch die Stimmung wurde von den Ultras und der aktiven Fanszene bei den Spielen von Erzgebirge Aue bis dato weiterhin organisiert. Hier kam erst Ende August 2017 beim Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg die Wende.
Die Fanszene wirft dem Verein vor, der Slogan Kumpelverein nie gelebt zu haben.
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Faszination Fankurve berichtete), aber auch für einen Fan, der über einen Zaun kletterte, um den Stadionsprecher auf defekte Stadionlautsprecher hinzuweisen. In der Fanszene gibt es Leute, die der Meinung sind, dass kritische Personen mit diesen Hausverboten nicht nur von den Heimspielen, sondern auch von den Mitgliederversammlungen ferngehalten werden sollen. Auch das Ende der Zensur von Spruchbändern, die vor allem nach dem zuletzt in Braunschweig gezeigten Spruchband, das erneut sehr umstritten war (Faszination Fankurve berichtete), zugenommen haben soll, muss in den Augen der Fanszene wieder zurückgefahren werden. So soll zuletzt auch versucht worden sein, „Vorstand raus“-Äußerungen mit Androhung eines Polizeieinsatzes zu unterbinden. Auch der Verkaufsstand der Fanszene müsste wieder erlaubt werden, damit der Stimmungsboykott beendet wird. Zudem soll die Arbeit in den Arbeitsgruppen, die sich um eine Satzungsänderung beim Verein und dem Thema Gründungsdatum von Erzgebirge Aue annehmen, wieder aufgenommen werden. Darüber hinaus ist zu klären, an welchen Stellen sich die mit Stadionverbot belegten FCE-Fans am Spieltag aufhalten dürfen.
Äußerungen gegen den Vorstand sind schon länger in der Fankurve zu sehen.
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Am Sonntag kam es im Fanprojekt Aue erneut zu einem sogenannten „Kurvengespräch“, zu dem die Fanszene alle interessierten Fans eingeladen hatte. Dabei wurde beschlossen, dass die Fanszene dem Vorstand von Erzgebirge Aue in den kommenden Tagen ein Gesprächsangebot unterbreitet. „Wenn das Gespräch ein befriedigendes Ergebnis für beide Seiten hergibt, heben wir den Supportboykott sofort auf“, heißt es aus der Fanszene zu einem möglichen Ende des aktuellen Stimmungsboykotts. (Faszination Fankurve, 19.09.2017)


