Am 29. November 2015 präsentierten Ultras von Borussia Dortmund beim Heimspiel gegen den VfB Stuttgart etwa 35 geklaute Doppelhalter des Commando Cannstatt, die bei einem Einbruch in einen Fahnenraum im Jahr 2010 erbeutet wurden. Die Reaktion des Commando Cannstatt findet ihr heute im Adventskalender.
Beim folgenden Heimspiel gegen Werder Bremen zeigte das Commando Cannstatt ein Spruchband mit der Aufschrift „Ultras ohne Ehre – Feinde unserer Bewegung!“ und verwies somit nochmals auf eine Stellungnahme aus dem Jahr 2010. Damals nach dem Einbruch in den Fahnenraum wusste man in Stuttgart noch nicht, wer für den Diebstahl verantwortlich ist. Die Stuttgarter Ultràgruppe verfasste damals eine Stellungnahme, in der sie sich gegen Einbrüche in Lager- bzw. Fanräume sowie Stadien aussprach, um Material gegnerischer Fans zu erbeuten.
Nachdem das geklaute Material auf der Dortmunder Südtribüne präsentiert wurde, entfachte das Commando Cannstatt die Debatte neu und löste mit dem „Ultras ohne Ehre – Feinde unserer Bewegung!“-Spruchband sowie dem Verweis auf die Stellungnahme von 2010 Diskussionen innerhalb der deutschen Ultràszene aus. Selten sorgte ein Spruchband für so langanhaltende Debatten innerhalb der Fanszenen. (Faszination Fankurve, 07.12.2017)
Das Spruchband des Commando Cannstatt zum Thema.
Bild: Cannstatter-Kurve.de
Faszination Fankurve dokumentiert nochmal die Stellungnahme des Commando Cannstatt aus dem Jahr 2010 zum Thema:
Einbrüche, Aufbrüche, Hausbesuche – die neuen Werte der Ultras?
Wir haben lange überlegt, ob wir uns zu diesem komplexen und schwierigen Thema äußern sollen. Diverse Ereignisse in jüngerer Vergangenheit haben uns schließlich dazu bewogen, mit unserer Meinung an die Öffentlichkeit zu treten, auch wenn wir wissen, dass das vielschichtige Meinungsbild in Deutschland sowie die einzelnen Vorfälle, die jeweils individuell beurteilt werden müssen, eine gesamtübergreifende Einschätzung nahezu unmöglich machen. Dieser Text soll weder belehren noch anderen etwas aufdiktieren, er soll lediglich in ungeschminkter Art die Standpunkte unserer Gruppe darlegen, in der Hoffnung, eine Diskussion über Werte der Ultras anzustoßen, die unserer Meinung nach im Hinblick auf die Entwicklung unserer Bewegung, speziell der nachfolgenden Generationen, wichtiger ist denn je.
Ein in der öffentlichen Wahrnehmung von Ultras, aber auch innerhalb unserer eigenen Subkultur immer wieder polarisierendes Thema ist das Erbeuten von gegnerischen Fahnen. Die Eroberung von Fahnen an Spieltagen hat es schon immer gegeben und wird es auch immer geben. Gerade das Material von Ultrasgruppen ist stets ein beliebtes Ziel des Gegners, welches bei einem Wechsel der Seiten der jeweils erfolgreichen Kurve Respekt und Anerkennung beschert, während es der unterlegenen Kurve einen harten Schlag versetzt. Auch unsere Kurve hat in ihrer Geschichte schon diverse Fahnen erobert und verloren. Zweifellos der bitterste Moment für uns als Gruppe war der Verlust unserer Auswärtszaunfahne in Köln 2004. Damals konnten wir unsere Fahne nicht verteidigen und müssen uns eingestehen, uns und die gesamte Stuttgarter Fanszene blamiert zu haben. Die Fahne wurde damals auf ehrliche Art am Spieltag erbeutet und somit wird auch der Verlust, so bitter er für uns war und nach wie vor ist, von unserer Seite voll und ganz akzeptiert. Wer es nicht schafft, auf sein Material aufzupassen und dieses auf den Anfahrtswegen zu einem Spiel, vor dem Stadion oder im Stadion verliert, ist selbst schuld und muss mit den Konsequenzen leben. Zumal, wenn man oft genug selbst Initiator solcher Aktionen ist. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob eine Gruppe in Überzahl agiert oder nicht, ob die Situation angemessen war oder nicht – wer sich mit dem Namen Ultras schmückt, muss zu seinen Idealen stehen und Wege finden, sein Material zu verteidigen. Auch Fanclubs sollten diesen Gegebenheiten realistisch ins Auge sehen und ihr oftmals naives Auftreten überdenken. Dass man in fremden Städten nicht gemütlich mit der Fahne unter dem Arm an der Heimkurve vorbeilaufen kann, sollte inzwischen überall angekommen sein.
Hier nochmal die 24 Artikel, die sich hinter den einzelnen Türchen versteckt hatten, im Überblick:Adventkalender-Türchen 1: Als Werder-Ultras das Passwort des Rivalen veröffentlichten
Adventkalender-Türchen 2: „Traditionslose Arschlöcher hier abstellen!“
Adventkalender-Türchen 3: „Disco-Prolls, McFit Opfer und Gerüstbauer“
Adventkalender-Türchen 4: Als Ultràgruppe wegen Spruchband die Aktivitäten einstellte
Adventkalender-Türchen 5: Als Ultras Frankfurt in „Flüchtlingskrise“ provozierten
Adventkalender-Türchen 6: Zitronenmann Spruchband-Duell zwischen Rhein & Weser
Adventkalender-Türchen 7: „Ultras ohne Ehre“-Spruchband entfachte eine Debatte
Adventkalender-Türchen 8: „Erstmal zu Penny“-Spruchband
Adventkalender-Türchen 9: „Um 15:30 Uhr wäre es zu hell gewesen!“
Adventkalender-Türchen 10: „Herzlichen Glückwunsch zum Triple!“
Adventkalender-Türchen 11: „Wann erschießt ihr uns?“
Adventkalender-Türchen 12: „Alles aus Frankfurt ist scheiße“
Adventkalender-Türchen 13: „Hey Bullen – Heute schon den Kalender verprügelt?“
Adventkalender-Türchen 14: „Ihr habt eine Stunde, die Stadt zu verlassen!“
Adventkalender-Türchen 15: Von knappen Niederlagen & Knappen-Niederlagen
Adventkalender-Türchen 16: Als Hansa-Fans schon mal Fische mit im Gästeblock hatten
Adventkalender-Türchen 17: Als Werder-Ultras Choreo-Motto vorab ausplauderten
Adventkalender-Türchen 18: „Oral raus, Anal rein! Jetzt ficken wir die Liga von hinten!
Adventkalender-Türchen 19: „Hallo Hopper! Heute keine Show“
Adventkalender-Türchen 20: Als sich Ultras Gelsenkirchen bei Schalke-Spielern bedankten
Adventkalender-Türchen 21: Wenn Ultras sich mit Arbeitern solidarisieren
Adventkalender-Türchen 22: „Das Schlimme am Sommer seid ihr an unseren Stränden!“
Adventkalender-Türchen 23: Wenn Spruchband-Schmähung nach Jahren nach hinten los geht
Adventkalender-Türchen 24: „20 Uhr! Lennéplatz! 1500!“



