Fanhilfe Nordtribüne kritisiert Öffentlichkeitsfahndung

Faszination Fankurve 05.10.2018 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Im Vorfeld des Derbys zwischen dem Hamburger SV und dem FC St. Pauli hat die Polizei Hamburg mit einer Öffentlichkeitsfahndung nach 17 HSV-Fans gesucht, denen vorgeworfen wird, beim Abstiegsspiel gegen Borussia Mönchengladbach Pyrotechnik zu zünden (Faszination Fankurve berichtete).

Nachdem die Braun-Weiße Hilfe aus der Fanszene des FC St. Pauli diese Maßnahme bereits kritisierte, meldete sich nun auch die Fanhilfe Nordtribüne aus der Fanszene des Hamburger SV zu Wort. Demnach seien zwei der bisher identifizierten Personen, nach denen öffentlich gefahndet wurden, noch minderjährig.

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Als der erste Abstieg des Hamburger SV so gut wie feststand, wurde auf der Nordtribüne reichlich Pyrotechnik gezündet.
Bild: Dirk Päffgen

„Eigentlich ist es schwer nachzuvollziehen, dass die Polizei nach Fußballfans öffentlich fahnden muss, kann sie doch davon ausgehen, diese bei Spielen ihrer Mannschaft im Stadion anzutreffen. Fußballfans werden an den öffentlichen Pranger gestellt. Dies kann für die Betroffenen, die nach wie vor nur unter Verdacht stehen, mit vielen negativen Auswirkungen verbunden sein, sei es am Arbeitsplatz oder in der Schule. Wir geben zu bedenken, dass zwei der bisher identifizierten Fans minderjährig sind und dies bei Betrachtung der Bilder mindestens anzunehmen war. Das erweckt den Anschein, dass bei der Entscheidung über die Veröffentlichung keine Einzelfallabwägung stattgefunden hat. Die vom G20-Gipfel bekannte Technik wird nun also auch auf Fußballfans angewendet. Dies ist ein weiterer Schritt in Richtung Kriminalisierung von Fußballfans. Müssen wir uns in Zukunft daran gewöhnen, dass auf Fahndungsfotos statt Terroristen Fußballfans abgebildet werden? Wir hoffen, dass alle Betroffenen anwaltlichen Rat suchen“, teilte die Fanhilfe Nordtribüne dazu mit.

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Faszination Fankurve veröffentlicht Bilder von Öffentlichkeitsfahndungen grundsätzlich nicht. An mehreren Fällen aus der Vergangenheit, auch mit Fußballbezug, bei denen zu Unrecht nach Personen öffentlich gefahndet wurde, kann man sehen, wie zweifelhaft diese Methode sein kann. Die Auswirkungen auf das Leben eines jungen Menschen, dessen Bild fälschlicherweise veröffentlicht wurde, kann man wohl nur erahnen. Probleme beim Arbeitgeber oder im privaten Umfeld können folgen. So gab es zum Beispiel im März 2017 eine Öffentlichkeitsfahndung nach Borussia Mönchengladbach-Fans, die ebenfalls mit Fotos in zahlreichen Medien zu sehen waren. Letztlich wurden die Verfahren gegen die betroffenen Fans eingestellt (Faszination Fankurve berichtete). Ähnliche Fälle sind auch in der Schweiz bekannt geworden. (Faszination Fankurve, 05.10.2018)

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Als der erste Abstieg des Hamburger SV so gut wie feststand, wurde auf der Nordtribüne reichlich Pyrotechnik gezündet.<br />
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