Vor dem gestrigen Heimspiel von Hannover 96 gegen Fortuna Düsseldorf kam es hinter der Nordkurve des Niedersachsenstadions zu Auseinandersetzungen, als Personen von der „Hannover Rechtsaußen“-Kampagne nach eigenen Angaben Flyer verteilten, „um auf die besorgniserregenden Entwicklungen innerhalb der Kurve aufmerksam zu machen“.
Die Protagonisten der Kampagne wählten den Ort der Verteilaktion nach eigener Darstellung bewusst aus, „um 96-Fans anzusprechen, die sich mit dem aktuellen Zustand nicht abfinden wollen.“ Weiter berichtet die Kampagne, dass schon nach wenigen Sekunden vier Personen gekommen sein sollen, die von den Verteilern der Gruppe West Hannover zugeordnet werden, gegen die in dem verteilten Flyer Vorwürfe erhoben wurden. Von diesen Personen soll es direkt zu einem Angriff auf die Flyerverteiler gekommen sein, denen bewusst gewesen sein dürfte, dass ihre Aktion in Teilen der Ultràszene als Provokation aufgefasst wird. Danach soll die Angreifergruppe angewachsen sein.
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Bei einer Flyerverteilung hinter der Nordkurve kam es gestern zu Auseinandersetzungen zwischen Hannover 96-Fans.
Bild: Stadionwelt
„Die angreifende Gruppe wuchs schnell auf etwa 50 Personen an, die den Angriff auf die Verteilenden fortsetzten. Glücklicherweise konnten die Angriffe weitgehend abgewehrt werden, sodass es nur zu leichten Verletzungen kam. Nach ca. zwei Minuten beendete die Polizei zwar den Angriff, jedoch nahmen die Beamt*innen nur die Betroffenen in Gewahrsam, während den Angreifenden der Rückzug in die Nordkurve ermöglicht wurde. Im Zuge dieser einseitigen Maßnahme wurden 35 Personen auf die Waterloo-Polizeiwache gebracht und für mehrere Stunden in Gewahrsam genommen. Alle Personen wurden erkennungsdienstlich behandelt. Dabei mussten sich zwei Frauen ohne nachvollziehbare Gründe nackt ausziehen und durchsuchen lassen. Rechte Fans von 'West Hannover' machten sich die Ingewahrsamnahme zu Nutze und warteten auf vereinzelt Entlassene, um diese noch einmal körperlich anzugreifen. Dabei kam es zu einem Übergriff auf zwei Personen in einem PKW direkt vor der Waterloo-Polizeiwache. Das Auto wurde von vier Personen mit Steinen beworfen und mit Tritten traktiert, wobei das Auto stark beschädigt und die Insass*innen leicht verletzt wurden. Auch hier reagierte die Polizei nicht – trotz unmittelbarer Nähe“, heißt es in der Pressemitteilung der „Hannover Rechtsaußen“-Kampagne weiter. Die Polizei Hannover machte nach den Vorfällen öffentlich, dass es zu 35 Ingewahrsamnahmen kam und wegen Landfriedensbruch ermittelt wird. Verletzte soll es demnach nicht gegeben haben.
Laut weiterer Darstellung der Kampagne sollen Gerüchte die Runde gemacht haben, dass es sich bei den Verteilern der Flyer um Fans von Werder Bremen handeln solle, die einen Angriff auf Räumlichkeiten der Fanszene von Hannover 96 planten. „Diese Gerüchte entbehren jeder Grundlage und dienen lediglich dem Zweck den Übergriff zu rechtfertigen und zu entpolitisieren“, sagt Hannah Niemeyer, eine Sprecherin der Kampagne „Hannover Rechtsaussen“. „Dass bereits das bloße Verteilen von Flyern zu einem Angriff führt, bestätigt nur unsere Vorwürfe, dass rechte Strukturen in der Kurve geduldet und akzeptiert werden. Die Polizei zeigte heute keine Sensibilität für das offensichtliche Problem, sondern stärkte durch ihr Verhalten den rechten Fans den Rücken. Das Verhalten der Polizei, sowie die Angriffe verurteilen wir mit aller Schärfe. Wir werden nicht aufhören uns im Stadion zu engagieren und rechten Strukturen entgegenzutreten“, so Niemeyer weiter. Andere Hannover 96-Fans berichteten hingegen von provozierendem Verhalten der Gruppe, aus der heraus die Flyer verteilt wurden und von Passivbewaffnung, wie Mundschützer, die Teile dieser Personengruppe bei sich getragen haben sollen.
Ultras von Hannover 96 erklärten sich Anfang November im eigenen Spieltagsflyer I-Block zu den schon länger von der „Hannover Rechtsaussen“-Kampagne geäußerten Vorwürfe des Rechtsrucks innerhalb der Ultràszene von Hannover 96. Damals hieß es, man habe „keine Lust mehr, zu Unrecht mit irgendwelchen Faschos und Rassisten in eine Topf“ geworfen zu werden. Die Ultraszene sieht sich selbst in der Pflicht, bei Unterwanderungsversuchen von wirklich politisch motivierten Kreisen „diesen Umtrieben mit dem notwendigen Nachdruck und aller Deutlichkeit Einhalt zu gebieten“ (Faszination Fankurve berichtete).
Fußball gespielt wurde gestern im Niedersachsenstadion auch noch. Die Gäste aus Düsseldorf gewannen vor 34.200 Zuschauern durch ein spätes Tor von Fink in der Nachspielzeit mit 1:0, wodurch sich die Abstiegssorgen bei Hannover 96 verstärken. Die Ultras von Fortuna Düsseldorf fielen beim Auswärtsspiel in Hannover noch durch eine Pyroshow im Gästeblock des Niedersachsenstadions auf. (Faszination Fankurve, 23.12.2018)
Update 21:45 Uhr: Mittlerweile haben zahlreiche Gruppen und Fanclubs der Fanszene von Hannover 96 Stellung zu den gestrigen Vorfällen genommen. Mehr dazu hier lesen.



