Beim Heimspiel von Werder Bremen gegen den FC Schalke 04 war am vergangenen Samstag in der Ostkurve des Weserstadions ein Spruchband der Caillera Ultras zu sehen, auf dem „Sarrazin-Freund*innen raus aus dem Stadion! Havanna Lounge die Loge kündigen!“ geschrieben stand.
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Spruchband der Caillera Ultras zum Thema.
Bild: Caillera.net
Nun gab die Ultragruppe von Werder eine Erklärung zu dem Spruchband ab: „Thilo Sarrazin, (noch) SPD-Mitglied, ehemaliger Berliner Finanzsenator und ehemaliger Vorstand der deutschen Bundesbank sorgte im Jahr 2010 mit seinem Buch 'Deutschland schafft sich ab' und seinen darin vertretenen völkisch-rassistischen Thesen für eine nachhaltige Verschiebung der Debattenkultur nach rechts. Sarrazin schwadronierte über den Zusammenhang zwischen Genen, Herkunft und Bildungsmöglichkeiten von Migrant*innen und kategorisierte Menschen strikt nach ökonomischen Kosten-Nutzenrechnungen. So forderte er unter anderem, 'leistungsunwillige' und 'leistungsunfähige' Menschen von der Teilhabe an Rechten und Ressourcen weiter auszuschließen. Sarrazin ist daher nicht nur einer der Wegbereiter des aktuellen Rechtsrucks, sondern auch geistiger Brandstifter. Genau dieser Brandstifter wird am 10. Dezember auf Einladung der Havanna Lounge, welche sich selbst als 'Wirtschafts- und Gesellschaftsclub' bezeichnet, eine Lesung abhalten. Ebendieser Wirtschaftsclub unterhält in unserem Weserstadion eine Loge auf der Südtribüne. Wir fordern deshalb die Geschäftsführung des SV Werder Bremen auf, die geschäftlichen Beziehungen zur Havanna Lounge und dadurch zu Menschen, die geistigen Brandstiftern wie Thilo Sarrazin und ihren völkisch-rassistischen und menschenverachtenden Thesen eine Bühne bieten, einzustellen und sich auf die fast vergessene, aber dennoch oft erwähnte 'soziale Verantwortung' zu besinnen. Geschäftsbeziehungen mit Firmen/Vereinen, die nicht dem 'Wertekanon des Vereins' entsprechen, sind unverzüglich abzubrechen“, so das Statement der Caillera Ultras zu diesem Thema. Auch das UltrA-Team Bremen äußerte sich am vergangenen Samstag mit einem Plakat, auf dem „Und denk dran Filbry: am 10.12. mit Sarrazin in der Havanna-Lounge die soziale Verantwortung in der Zigarre rauchen!“ geschrieben stand, zum Thema. Der Bremer Club, in dem die Lesung stattfindet, hat wiederum eine Loge im Weserstadion.
Spruchband von UTB zum Thema.
Bild: Susanneblondundblau
Infamous Youth forderte via „S04 gegen Rassismus? Tönnies feuern!“-Spruchband noch die Entlassung von Clemens Tönnies wegen dessen umstrittenen Aussagen und die Wanderers Bremen kritisierten mit einem „Fanmarschverbote abschaffen!“-Plakat das im Vorfeld der Partie erneut ausgesprochene Fanmarschverbot für Gästefans in Bremen (Faszination Fankurve berichtete).
Die Wanderers Bremen zeigten sich solidarisch mit den Gästefans, die in Bremen nicht zu Fuß zum Weserstadion laufen dürfen.Bild: Susanneblondundblau
Schon in der Nacht von Donnerstag auf Freitag wurden am Trainingsgeländer von Werder Bremen Sichtblenden, die mit Werbung des in der Fanszene wegen des Namenssponsorings des Weserstadion so unbeliebten Immobilienunternehmens bedruckt waren, von unbekannten Personen abgeschnitten. (Faszination Fankurve, 26.11.2019)


