Der SV Babelsberg 03 nahm am Freitag kurz vor Ende der Wintertransferperiode Daniel Frahn unter Vertrag, der beim Chemnitzer FC fristlos entlassen wurde, nachdem er sich mit Führungsköpfen der rechten Gruppierung Kaotic Chemnitz aufgehalten hatte (Faszination Fankurve berichtete).
Frahn zog gegen die Entscheidung des Chemnitzer FC vor das Arbeitsgericht und bekam Recht. Am vergangenen Mittwoch löste der Chemnitzer FC den Vertrag mit Frahn, der durch die Gerichtsentscheidung weiter Bestand hatte, einvernehmlich auf. Man hatte sich mit Frahn außergerichtlich geeinigt.
Somit war der Weg für Frahn für einen Wechsel zum Regionalligisten Babelsberg 03 frei. Der SVB kämpft aktuell in der Regionalliga Nordost gegen den Abstieg. Schon von 2007 bis 2010 spielte der in Potsdam geborene Frahn für den dortigen SV Babelsberg 03. In den Wochen vor seiner offiziellen Rückkehr zu Babelsberg 03 hielt er sich in der Mannschaft bereits fit und trainierte beim Regionalligisten.
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Schon beim Warmmachen der Mannschaften bezogen die Gästefans Stellung.
Bild: Presseservice Rathenow
Ins öffentliche Interesse war Frahn, der an mehreren seiner bisherigen Stationen als Spieler einen engen Kontakt zu jeweiligen aktiven Fanszene pflegte, zu Chemnitzer Zeiten geraten, als er am 09. März 2019 beim Heimspiel gegen Altglienicke nach seinem Tor in der 53. Minute ein „Support your local Hools“ T-Shirts hochhielt. Vor Anpfiff fand bei diesem Spiel die umstrittene „Ruhe in Frieden, Tommy“-Gedenkaktion für den verstorbenen CFC-Fan Thomas H., der in der rechten Szene in Chemnitz fest verankert gewesen sein soll, statt (Faszination Fankurve berichtete). Die Shirts, von denen Frahn eines hochhielt waren hergestellt worden, um den damals kranken Thomas H. zu unterstützen.
Archibald Horlitz, Vorstandsvorsitzender von Babelsberg 03, erklärte zur Frahn-Verpflichtung: „Nach den Gesprächen mit Daniel Frahn bin ich überzeugt, dass er keine Nähe zu rechtem Gedankengut hat. Aber es besteht auch kein Zweifel daran, dass sein Agieren in Chemnitz kritisch zu hinterfragen war. Dies haben wir ausführlich getan und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir, unter Berücksichtigung aller Aspekte und seinem klaren Bekenntnis zu den Werten unseres Vereins, ihn willkommen heißen.“
Die Chemie-Fans warfen Babelsberg 03 vor, wegen des Abstiegskampfes die eigenen Werte zu verraten.
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Mit diesem Plakat wurde Frahn von den Chemie-Fans begrüßt.
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Als Frahn gestern in der 76. Spielminute für Nattermann eingewechselt wurde, zeigten die mitgereisten Chemie-Fans noch ein weiteres Spruchband zum Thema. „Daniel Frahn – Heim ins Reich“, war darauf in Anlehnung an die „Heim ins Reich“-Parole aus den Zeiten des Nationalsozialismus, mit der die Bestrebungen gemeint waren, Österreich, das Sudetenland und weitere Regionen ins Deutsche Reich zu holen, zu lesen. Dazu brüllte der Gästeblock während der Frahn-Einwechslung „Nazis raus“. Von Babelsberg 03-Fans auf der Haupttribüne gab es hingegen Applaus für Frahn:
Beim Einlaufen der Mannschaften zeigten die Chemie-Fans zuvor noch eine Choreografie mit einer „CHEMIE LEIPZIG“-Fahne, bei der in der Mitte ein Sensenmann mit „Ultras“-Schriftzug abgebildet war. Hinter der Fahne kam zudem ein grün-weißes Fahnenmeer zum Vorschein.
Die Choreografie der Chemie Leipzig-Fans.
Bild: Presseservice Rathenow
Babelsberg gewann das gestrige Heimspiel vor 3.003 Zuschauern (darunter etwa 700 Gästefans) im Karl-Liebknecht-Stadion durch ein Tor von Valentin Rode in der 32. Minute mit 1:0 und holte somit drei wichtige Punkte im Abstiegskampf. (Faszination Fankurve, 03.02.2020)
Der zweite Teil der Choreografie der Chemie-Fans.
Bild: Presseservice Rathenow


