Nachdem sich der Fanszenen Deutschlands-Zusammenschluss zuletzt Mitte April mit einer Stellungnahme zu Wort meldete und sich gegen eine Fortsetzung der Bundesliga mit Geisterspielen aussprach, sind mittlerweile drei Bundesliga-Geisterspieltage absolviert und auch die 3. Liga nimmt am Wochenende wieder den Spielbetrieb auf.
Statement der Fanszenen Deutschlands – In der Krise beweist sich der Charakter : https://t.co/ivAGzy8yGJ#VfB #Stuttgart @VfB #VfBHSV @stuttgarttweets pic.twitter.com/aVxe5oBBD5
— Commando Cannstatt (@cc97ultras) May 28, 2020
Auf das „Quarantäne für den Fußball – Geisterspiele sind keine Lösung!“-Statement der Fanszenen Deutschlands folgte unter dem Titel „In der Krise beweist sich der Charakter“ nun eine weitere Stellungnahme, in der die Ultras Reformen in verschiedenen Bereichen des deutschen Profifußballs fordern. So verlangen die Fanszenen eine gerechtere Verteilung der Fernsehgelder, neue Vorgaben für die Clubs, damit mehr Rücklagen gebildet werden, Gehalts- und Transferobergrenzen sowie die Beschränkung des Einflusses von Beratern und der Kadergrößen.
Weiter kritisieren die Fanszenen Deutschlands, in denen die meisten der deutschen Ultragruppen organisiert sind, die Sonderrolle, die der Profifußball in Deutschland mit der Durchführung der Geisterspiele für sich eingenommen hat. Damit wurde er nach Auffassung der Fanszenen seiner sozialen Verantwortung nicht gerecht. Nachdem bei der DFL angekündigt wurde, dass „Nachhaltigkeit, Stabilität und Bodenständigkeit“ mehr in den Vordergrund rücken sollen, wollen die Fanszenen Deutschlands diese Entwicklungen genauestens beobachten und dabei Taten statt Worte sehen. Die Zeit der Ausreden sei nun vorbei, so das kämpferische Statement der Ultras weiter. (Faszination Fankurve, 28.05.2020)
Bildergalerie zu diesem Beitrag
Spruchband zu Geisterspielen vorm Müngersdorfer Stadion in Köln.
Bild: WH96.de
Faszination Fankurve dokumentiert die neue Stellungnahme der Fanszenen Deutschlands:
+++In der Krise beweist sich der Charakter+++
Nein, der Fußball befindet sich in keiner Krise – lediglich das Geschäftsmodell derjenigen kommt ins Wanken, die sich daran eine goldene Nase verdienen. Und nicht erst jetzt, aber aktuell mit voller Wucht, bekommt der Profifußball den Spiegel vor die Nase gesetzt, mit welcher Missgunst ein großer Teil der Bevölkerung auf den Profifußball blickt. Wir nehmen wahr, dass sich das Produkt Fußball eine Parallelwelt erschaffen hat, welche viele Fußballfans mit ausufernden Transfer- und Gehaltssummen, einer unersättlich wirkenden Gier nach Profit, Korruption bei Verbänden sowie dubiosen und intransparenten Beraterstrukturen (2017/18 ca. 200 Mio. €) in Verbindung setzen.
Wiederaufnahme des Spielbetriebs
Wir mögen aktuell nicht beurteilen und abschätzen können, wann ein vertretbarer Zeitpunkt gewesen wäre, den Ball wieder rollen zu lassen. Wir bewerten jedoch das Verhalten der Vertreter des Profifußballs als anstands- und respektlos, sich in der aktuellen Krisensituation derart aggressiv in den Vordergrund zu drängen. Der Gedanke, dass sich mit genügend Geld und ausreichender Lobbyarbeit Sonderwege bestreiten lassen, lässt sich leider nicht von der Hand weisen. Ein Vorpreschen bei der Inanspruchnahme routinemäßiger Screenings erachten wir als anmaßend, würden uns doch dutzende andere Institutionen einfallen, bei denen verdachtsunabhängige Testungen mehr Sinn ergeben würden. Übel stößt hierbei nicht die generelle Inanspruchnahme von Testkapazitäten auf, sondern weil sich der Profifußball eine soziale Relevanz anmaßt und eine Sonderbehandlung bewirkt, die in keinem Verhältnis zur aktuellen gesellschaftlichen Rangordnung steht.


